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Aufstiegs-BAföG-Rechner

Vollzeit mit AFBG: wann Unterhaltsbeitrag greift

· 8 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Kalender, Rechner und Unterlagen auf einem Schreibtisch am Morgen

Bei einer Vollzeit-Aufstiegsfortbildung gibt es neben dem Maßnahmebeitrag (Kurskosten) den Unterhaltsbeitrag, der die Lebenshaltungskosten während der Fortbildung teilweise abdeckt. Er ist einkommensabhängig und setzt sich aus Grundbedarf, Versicherungszuschlägen, Ehegatten- und Kinderzuschlägen zusammen. Stand 2026 liegt der Grundbedarf für Alleinstehende bei 882 Euro pro Monat, mit eigener Kranken- und Pflegeversicherung bei 1.019 Euro. Der Unterhaltsbeitrag ist vollständig Zuschuss, ein Darlehensanteil fällt nicht an (§ 12 Abs. 2 AFBG).

Vollzeit im AFBG-Sinn heißt: mindestens 25 Unterrichtsstunden pro Woche und keine oder nur geringe parallele Erwerbstätigkeit (unter 15 Stunden pro Woche). Wer berufsbegleitend lernt, bekommt keinen Unterhaltsbeitrag. Wer das Kursformat wechselt, muss dem Amt Bescheid geben.

Wer bekommt den Unterhaltsbeitrag?

Anspruch hat, wer:

  • eine Aufstiegsfortbildung in Vollzeit besucht (mindestens 25 Unterrichtsstunden pro Woche)
  • keine oder nur geringe parallele Erwerbstätigkeit hat (unter 15 Stunden pro Woche)
  • einen positiven Rechenwert aus Bedarf minus anrechenbarem Einkommen hat

Der Unterhaltsbeitrag wird nicht in voller Höhe ausgezahlt, sondern nach Abzug deines eigenen Einkommens und ggf. des Partner-Einkommens. Wer viel eigenes Einkommen hat (zum Beispiel hohes Arbeitslosengeld, Miet- oder Kapitaleinkünfte), bekommt weniger oder nichts.

Aus welchen Komponenten besteht der Unterhaltsbeitrag?

Der Unterhaltsbeitrag setzt sich zusammen aus (§ 10 Abs. 2 und 3 AFBG mit §§ 13 und 13a BAföG):

KomponenteStand 2026Bedingung
Grundbedarf Alleinstehend (442 Euro Bedarf, 380 Euro Unterkunft, 60 Euro Zuschlag)882 Euro/MonatImmer
Kranken- und Pflegeversicherungszuschlag102 und 35 Euro/MonatBei eigener gesetzlicher Versicherung
Ehegatten-Zuschlag235 Euro/MonatVerheiratet oder eingetragene Lebenspartnerschaft
Kinderzuschlag pro Kind235 Euro/MonatPro Kind mit Kindergeldanspruch
Kinderbetreuungszuschlag (§ 10 Abs. 3 AFBG)150 Euro/MonatAlleinerziehende, Kinder unter 14

Einen gesonderten Wohnkostenzuschlag gibt es nicht, die Unterkunft steckt mit 380 Euro im Grundbedarf. Die hier genannten Werte sind die gesetzlichen Sätze, Stand 2026. Die verbindliche Berechnung macht das AFBG-Amt auf Basis deiner Unterlagen.

Wie wird der Unterhaltsbeitrag berechnet?

Das Amt addiert zunächst den Gesamtbedarf aus allen zustehenden Komponenten. Davon wird dein anrechenbares Einkommen (eigenes Einkommen, Partner-Einkommen, anrechenbares Vermögen über Freibetrag) abgezogen. Der Rest ist dein Anspruch auf Unterhaltsbeitrag.

Rechenbeispiel Alleinstehender Vollzeit-Industriemeister ohne Kinder, ohne eigenes Einkommen während des Kurses, selbst gesetzlich versichert:

PositionBetrag/Monat
Grundbedarf882 Euro
Kranken- und Pflegeversicherungszuschlag137 Euro
Gesamtbedarf1.019 Euro
Anrechenbares Einkommen0 Euro
Unterhaltsbeitrag1.019 Euro

Über einen 12-Monats-Vollzeitkurs sind das 12.228 Euro Unterhaltsbeitrag, vollständig als Zuschuss (§ 12 Abs. 2 AFBG).

Rechenbeispiel Alleinstehender mit 400 Euro Minijob (rentenversicherungspflichtig):

PositionBetrag/Monat
Grundbedarf882 Euro
Kranken- und Pflegeversicherungszuschlag137 Euro
Gesamtbedarf1.019 Euro
Anrechenbares Einkommen (400 Euro minus Werbungskosten- und Sozialpauschale = 231,16 Euro, unter dem Freibetrag von 389 Euro)0 Euro
Unterhaltsbeitrag1.019 Euro

Welche Freibeträge gibt es?

Bei der Einkommensanrechnung werden bestimmte Freibeträge berücksichtigt:

  • Grundfreibetrag für den Teilnehmer selbst
  • Freibetrag für Ehepartner, wenn nicht selbst im AFBG steckt
  • Kinderfreibeträge pro Kind
  • Werbungskostenpauschale
  • Sozialversicherungs-Pauschale

Das macht die konkrete Berechnung komplex. Für einen Überschlag kannst du mit den Richtwerten arbeiten, die verbindliche Rechnung macht das Amt.

Zählt das Einkommen meines Partners?

Ja. Bei Verheirateten oder eingetragenen Lebenspartnern wird das Einkommen des Partners angerechnet, abzüglich eines Partner-Freibetrags. Je höher das Partner-Einkommen, desto weniger Unterhaltsbeitrag bekommst du.

Bei unverheirateten Paaren (Lebensgemeinschaft) gelten andere Regeln. Das Partner-Einkommen wird in der Regel nicht angerechnet, auch wenn ihr zusammen lebt und wirtschaftet. Die konkrete Handhabung regelt § 17 AFBG und die zugehörige Verwaltungspraxis.

Was passiert, wenn ich während Vollzeit Geld verdiene?

Eigenes Einkommen wird angerechnet. Bei Beschäftigung über 15 Stunden pro Woche gilt der Kurs nicht mehr als Vollzeit und der Unterhaltsbeitrag entfällt komplett. Ein Minijob bis 603 Euro pro Monat ist in der Regel unkritisch, weil er nach Werbungskosten- und Sozialpauschale unter dem Freibetrag von 389 Euro liegt.

Wichtige Regel: Änderungen deiner Erwerbssituation musst du dem AFBG-Amt melden. Unbemerkte Nebentätigkeiten können zu Rückforderungen führen.

Vollzeit-Maßnahmen im Überblick

Typische AFBG-Vollzeit-Konstellationen:

AbschlussTypische DauerUnterhaltsbeitrag relevant
Handwerksmeister (Präsenz)ca. 12 MonateJa
Industriemeister (Vollzeit)6-12 MonateJa
Staatlich geprüfter Techniker24 MonateJa
Bilanzbuchhalter (Vollzeit)9-12 MonateJa
Wirtschaftsfachwirt (IHK) bei SkillSprinters12 Monate, berufsbegleitend Di und Do abendsNein
Personalfachkaufmann (Vollzeit)6-9 MonateJa

Den Wirtschaftsfachwirt (IHK) gibt es bei SkillSprinters nur berufsbegleitend: 12 Monate, dienstags und donnerstags abends, also ohne Unterhaltsbeitrag. Die meisten Teilnehmer wählen berufsbegleitend und verzichten damit auf den Unterhaltsbeitrag zugunsten des laufenden Gehalts. Vollzeit lohnt sich vor allem für Arbeitsuchende, Wiedereinsteiger nach Elternzeit oder wenn der Arbeitgeber die Freistellung bezahlt.

Was wird vom Unterhaltsbeitrag abgezogen?

Drei Kategorien:

  1. Eigenes Einkommen (Minijob, ALG, Miet- oder Kapitaleinkünfte) abzüglich Freibetrag
  2. Partner-Einkommen bei Verheirateten abzüglich Partner-Freibetrag
  3. Vermögen über Freibetrag (Stand 2026: 45.000 Euro für den Teilnehmer plus Erhöhungen für Kinder)

Das Gesamt-Einkommen wird von Gesamt-Bedarf abgezogen. Ist die Differenz negativ, bekommst du keinen Unterhaltsbeitrag, nur den Maßnahmebeitrag.

Häufige Fragen

Bekomme ich den Unterhaltsbeitrag komplett als Zuschuss? Ja. Seit 2020 ist der Unterhaltsbeitrag vollständig Zuschuss (§ 12 Abs. 2 AFBG). Ein Darlehen gibt es nur für eine beantragte Prüfungsvorbereitungsphase nach dem letzten Unterricht (§ 12 Abs. 3 AFBG).

Was wenn ich während Vollzeit krank werde und pausieren muss? Kurzfristige Unterbrechungen sind unkritisch. Bei längeren (mehrere Wochen) musst du das Amt informieren. In der Regel kann die Förderungsdauer verlängert werden.

Kann ich Unterhaltsbeitrag auch bekommen, wenn ich noch Arbeitslosengeld beziehe? Ja, aber das Arbeitslosengeld wird als Einkommen angerechnet und reduziert den Unterhaltsbeitrag. In manchen Konstellationen ist die Kombination nicht sinnvoll. Prüfung beim AFBG-Amt lohnt sich.

Zählt Elterngeld als Einkommen? Ja, Elterngeld wird als Einkommen angerechnet. Die genauen Freibeträge variieren je nach Situation.

Wie hoch sind die Rückzahlungsraten beim Unterhaltsbeitrag-Darlehen? Zurückgezahlt wird nur das Darlehen für die Lehrgangs- und Prüfungsgebühren und gegebenenfalls ein Darlehen für die Prüfungsvorbereitungsphase. Mindestrate 128 Euro pro Monat. Bei höheren Darlehen kann die Rückzahlung mehrere Jahre dauern.


Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger. Promovierter Wirtschaftspädagoge, Berater für Berufstätige bei Aufstiegsentscheidungen. Mehr über den Autor.

In der Beratungspraxis beobachte ich zwei Muster: Erstens unterschätzen viele Interessenten die Komplexität der Unterhaltsbeitrag-Berechnung und sind überrascht, wie stark eigenes oder Partner-Einkommen den Betrag reduziert. Zweitens überschätzen manche den Anspruch bei kleinen Nebentätigkeiten oder geringfügigem Partner-Einkommen. Wer die Rechnung konkret vom Amt machen lässt, plant realistisch.

Dieser Beitrag ist ein Überblick auf Basis der AFBG-Systematik (Stand 2026). Die verbindlichen Beträge werden vom zuständigen Amt individuell berechnet. Keine Steuer- oder Rechtsberatung.

Zuletzt geprüft am 22. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.

Weitere Beiträge: Berufsbegleitend mit AFBG und Unterhaltsbeitrag berechnen, ein Beispiel für einen Alleinstehenden.

Quellen: AFBG auf gesetze-im-internet.de und BMBF-Seite aufstiegs-bafoeg.de.


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