Zum Inhalt springen
Aufstiegs-BAföG-Rechner

Wirtschaftsfachwirt mit Aufstiegs-BAföG: die komplette Rechnung

· 8 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Taschenrechner, Notizbuch mit Zahlen und ein Kugelschreiber auf einem Holzschreibtisch, Morgenlicht

Der Wirtschaftsfachwirt (IHK) kostet bei SkillSprinters 3.997 Euro Kursgebühr. Mit Aufstiegs-BAföG bekommst du 50 Prozent als Zuschuss, 50 Prozent als zinsloses KfW-Darlehen. Bestehst du die Prüfung, werden 50 Prozent des Darlehens erlassen. Dein Eigenanteil nach Bestehen liegt damit bei rund 999 Euro. Diese Rechnung geht hier durch jede Position, inklusive Landesprämie und möglicher Steuerersparnis.

Viele Interessenten hören “fast viertausend Euro” und hängen an der Zahl fest. Das ist zu früh. Wer einmal die vollständige Rechnung mit AFBG durchgezogen hat, entscheidet anders.

Wie hoch ist der Zuschuss beim Wirtschaftsfachwirt?

Der Zuschuss beträgt 50 Prozent der Lehrgangs- und Prüfungskosten. Bei einer Kursgebühr von 3.997 Euro (Stand 2026) sind das 1.998,50 Euro. Das Geld fließt nicht auf dein Konto, sondern direkt an den Bildungsträger. Einkommen, Alter oder Vermögen spielen für diesen Zuschuss keine Rolle. Das regelt § 12 AFBG.

Für dich als Teilnehmer bedeutet das: Die Hälfte der Kurskosten ist bereits weg, ohne dass du auch nur einen Cent zurückzahlen musst.

Wie funktioniert das KfW-Darlehen?

Die anderen 1.998,50 Euro bekommst du als zinsloses Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Zinslos bedeutet wörtlich: kein Zinsaufschlag während der Förderphase. Nach Ende der Förderungshöchstdauer beginnt eine zweijährige Karenzzeit, erst danach setzt die Rückzahlung ein.

Wichtig für die Gesamtrechnung: Du musst das Darlehen nicht komplett zurückzahlen. Bei bestandener Prüfung wird die Hälfte erlassen.

Was bedeutet der 50-Prozent-Erlass?

Bestehst du die IHK-Prüfung zum Wirtschaftsfachwirt, erlässt dir die KfW 50 Prozent des Darlehens. Aus 1.998,50 Euro Darlehen werden also 999,25 Euro Erlass und 999,25 Euro tatsächliche Rückzahlung. Diese Regelung steht in § 13b AFBG und ist der Hebel, der den Kurs so günstig macht.

Rechenbeispiel komplett:

PositionBetrag
Kursgebühr Wirtschaftsfachwirt (Stand 2026)3.997,00 Euro
AFBG-Zuschuss (50 Prozent)-1.998,50 Euro
AFBG-Darlehen (50 Prozent)-1.998,50 Euro
Darlehenserlass bei Bestehen (50 Prozent vom Darlehen)+999,25 Euro (erlassen)
Darlehen-Restrückzahlung999,25 Euro
Dein Eigenanteil nach Erlassrund 999 Euro

Unterm Strich: Aus 3.997 Euro wird ein echter Eigenanteil von knapp tausend Euro. Das ist der Unterschied, den viele Interessenten zu Beginn nicht kennen.

Kommt eine Landesprämie oben drauf?

Ja, in manchen Bundesländern. Die Landesprämien sind eine zusätzliche Zahlung für das Bestehen der Prüfung. Sie werden unabhängig vom AFBG gewährt und gehen direkt auf dein Konto.

Für den Wirtschaftsfachwirt sind diese Länder relevant (Stand 2026):

BundeslandPrämieName
Hessen3.500 EuroHessische Aufstiegsprämie
Bayern3.000 EuroBayerischer Meisterbonus
Thüringen2.000 EuroThüringer Aufstiegsprämie
Saarland2.000 EuroAufstiegsbonus
Rheinland-Pfalz2.000 EuroAufstiegsbonus I
Hamburg1.300 EuroMeisterprämie (nur begrenzt WFW-fähig, prüfen)
Bremen1.300 EuroAufstiegsprämie (gekürzt seit 01.03.2025)
Sachsen-Anhalt1.000 EuroMeisterbonus PLUS

Acht Bundesländer zahlen für den Wirtschaftsfachwirt keine Landesprämie oder nur für Handwerksmeister. Wer in NRW, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Brandenburg oder Schleswig-Holstein wohnt, bleibt beim Eigenanteil von rund 999 Euro.

Rechenbeispiel Hessen: unterm Strich Plus

Wenn du in Hessen lebst und die 3.500 Euro Hessische Aufstiegsprämie bekommst, dreht sich die Rechnung:

  • AFBG-Eigenanteil nach Erlass: 999 Euro
  • Hessische Aufstiegsprämie: +3.500 Euro
  • Netto in deiner Tasche: rund 2.500 Euro Plus

Du zahlst also nicht für den Kurs, du bekommst Geld dafür. Das klingt zu schön, aber die Zahlen stehen im Gesetz und in den Landesrichtlinien. Voraussetzung: bestandene Prüfung, Antragsfrist einhalten, Wohnsitz im jeweiligen Bundesland.

In Bayern (3.000 Euro Meisterbonus) landest du bei rund 2.000 Euro Plus, in Thüringen, Saarland oder Rheinland-Pfalz bei rund 1.000 Euro Plus. Die vollständige Rechnung für dein Bundesland geht dir am schnellsten über unseren Aufstiegs-BAföG-Rechner durch.

Welche Voraussetzungen musst du erfüllen?

Für die AFBG-Förderung beim Wirtschaftsfachwirt gelten drei harte Voraussetzungen:

  1. Die Fortbildung muss im AFBG-Katalog stehen. Wirtschaftsfachwirt nach § 53 BBiG steht drin, das ist geklärt.
  2. Der Träger muss AZAV-zertifiziert oder anderweitig anerkannt sein und einen förderfähigen Lehrgang anbieten. SkillSprinters ist DEKRA-zertifiziert nach AZAV.
  3. Du selbst musst die Prüfungszulassung erfüllen. Für den Wirtschaftsfachwirt reichen laut § 2 Abs. 1 Nr. 4 WFachwPrV entweder eine kaufmännische Ausbildung plus ein Jahr Berufspraxis oder drei Jahre einschlägige Berufspraxis ohne Ausbildung. Die oft kolportierten “fünf Jahre ohne Ausbildung” sind falsch.

Eine Altersgrenze gibt es nicht. Eine Einkommensgrenze ebenfalls nicht, solange es um den Maßnahmebeitrag (Kurskosten) geht. Beim Unterhaltsbeitrag sieht das anders aus, der betrifft den Wirtschaftsfachwirt aber in der Regel nicht, weil der Kurs berufsbegleitend abends läuft.

Wie beantragst du das Aufstiegs-BAföG?

Den Antrag stellst du beim zuständigen AFBG-Amt deines Wohnsitz-Bundeslandes, nicht am Kursort. In Bayern ist das die Regierung von Oberbayern, in NRW sind es die Bezirksregierungen, in Berlin die Investitionsbank Berlin. Die zuständige Stelle findest du auf aufstiegs-bafoeg.de (BMBF-Seite).

Zeitlich lohnt sich der Antrag vor Kursbeginn. Bearbeitungszeiten liegen je nach Bundesland zwischen drei und fünf Monaten. In den meisten Fällen kannst du den Kurs auch ohne bewilligten Bescheid starten und die Förderung nachträglich geltend machen, aber ein Vorbescheid gibt mehr Sicherheit.

Unterlagen, die du brauchst: Personalausweis-Kopie, Nachweis über deine Vorbildung (Ausbildungszeugnis oder Berufspraxis-Nachweis), Teilnahmebestätigung des Trägers, Lehrgangsplan. Mehr Details stehen im Beitrag zu den Unterlagen für den AFBG-Antrag.

Was passiert, wenn du die Prüfung nicht bestehst?

Der 50-Prozent-Erlass des Darlehens ist an das Bestehen gebunden. Fällst du durch, bleibt das volle Darlehen zur Rückzahlung stehen. Der Zuschuss ist unabhängig vom Prüfungsergebnis, den behältst du in jedem Fall.

Konkret: Ohne Bestehen bleibt ein Darlehen von 1.998,50 Euro offen. Zusammen mit dem Zuschuss hättest du die Hälfte der Kursgebühr staatlich finanziert bekommen, die andere Hälfte als zinsloses Darlehen zurückzuzahlen. Die Prüfung kannst du zweimal wiederholen. Bestehst du im zweiten oder dritten Anlauf, wird der 50-Prozent-Erlass nachträglich gewährt. Keine Panik also, wenn der erste Versuch schiefgeht.

Häufige Fragen

Zählt mein Einkommen beim Wirtschaftsfachwirt mit AFBG? Für den Maßnahmebeitrag (Kurskosten) nicht. Die 50 Prozent Zuschuss und 50 Prozent Darlehen sind einkommensunabhängig. Der Unterhaltsbeitrag ist einkommensabhängig, greift aber beim Wirtschaftsfachwirt nicht, weil der Kurs nicht Vollzeit ist.

Kann ich Aufstiegs-BAföG und Landesprämie kombinieren? Ja. Die beiden Förderungen sind getrennt geregelt und summieren sich. In Bayern, Hessen, Thüringen, Saarland, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt bekommst du beide parallel.

Was wenn ich während des Kurses umziehe? Zuständig ist das Amt deines aktuellen Hauptwohnsitzes zum Zeitpunkt des Antrags. Ziehst du während der Förderung um, musst du das deinem Amt melden. Die Förderung läuft in der Regel weiter.

Bekomme ich das Geld aufs eigene Konto? Der Zuschuss wird direkt an den Bildungsträger überwiesen, nicht an dich. Das Darlehen läuft über die KfW. Eine Landesprämie bekommst du auf dein privates Konto, nach bestandener Prüfung und fristgerechtem Antrag.

Wie lange dauert die Rückzahlung? Das Restdarlehen von rund 999 Euro zahlst du in Monatsraten ab rund zwei Jahren nach Kursende. Die Mindestrate liegt bei 128 Euro pro Monat. Bei kleinen Summen ist die Rückzahlung meist in einem Jahr durch.


Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger für KI- und Digitalisierungs-Weiterbildungen. Promovierter Naturwissenschaftler, seit über zehn Jahren in Bildung und Digitalisierung, aktiver Kursleiter und Berater für Berufstätige, die ihre IHK-Aufstiegsfortbildung planen. Mehr über den Autor.

In meiner Beratungspraxis erlebe ich fast jede Woche den Moment, in dem Interessenten die Rechnung zum ersten Mal komplett sehen. Die meisten haben die 3.997 Euro als Blocker im Kopf. Wer einmal die 999 Euro Eigenanteil plus mögliche Landesprämie verstanden hat, stellt andere Fragen: nicht mehr “Kann ich mir das leisten?”, sondern “Wann fange ich an?”.

Diese Rechnung ist ein Überschlag auf Basis der gesetzlichen AFBG-Sätze (Stand 2026). Die konkrete Höhe deines Anspruchs hängt von deinen individuellen Umständen ab und wird vom zuständigen AFBG-Amt verbindlich festgelegt. Für eine rechtssichere Berechnung wende dich an die zuständige Stelle oder einen Steuerberater.

Zuletzt geprüft am 22. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.

Weitere Beiträge: Aufstiegs-BAföG berechnen, die Formel einfach erklärt und Hessische Aufstiegsprämie 3.500 Euro plus AFBG.

Offizielle Quellen: AFBG auf gesetze-im-internet.de und die BMBF-Informationsseite zum Aufstiegs-BAföG.


Bereit für den nächsten Schritt?

Willst du wissen, wie deine Rechnung für den Wirtschaftsfachwirt konkret aussieht, inklusive Landesprämie und Steuer? Buch dir 10 Minuten mit Jens. Wir gehen deine Zahlen durch und klären, ob sich der Kurs für dich lohnt. Wenn nicht, sagen wir das.

Termin mit Jens buchen


Nächster Schritt: deine Zahlen kennen

Der Aufstiegs-BAföG-Rechner zeigt dir in 60 Sekunden, was dir nach allen Zuschüssen und Erlassen bleibt. Trag deine Kurskosten und dein Bundesland ein, die Rechnung erscheint direkt.

Wenn dein Ziel der Wirtschaftsfachwirt ist, kannst du parallel den WFW-Gehaltsrechner auf skill-sprinters.de durchrechnen und sehen, welche Gehaltssteigerung realistisch ist.

Weiterlesen