Das AFBG in der aktuellen Fassung 2026: was zuletzt geändert wurde
Die aktuelle Fassung des AFBG stammt aus der Novelle 2020, mit kleineren Anpassungen bis Anfang 2026. Wesentliche Änderungen der 2020er Novelle: 100 Prozent Zuschuss beim Unterhaltsbeitrag (vorher 50/50), 50 statt 40 Prozent Zuschuss zu den Lehrgangs- und Prüfungsgebühren, 50 statt 40 Prozent Darlehenserlass bei Bestehen, höhere Freibeträge und Förderung auf allen drei Fortbildungsstufen. Seitdem gilt beim Maßnahmebeitrag: 50 Prozent Zuschuss, 50 Prozent Darlehen, 50 Prozent Erlass bei Bestehen. Den Namen “Aufstiegs-BAföG” trägt die Förderung schon seit der Reform 2016.
Für Teilnehmer mit Fortbildungsstart 2026 gelten die Sätze, die der Gesetzgeber bis April 2026 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht hat. Die aktuelle Fassung steht auf gesetze-im-internet.de/afbg. Für den 1. August 2027 plant die Bundesregierung weitere Verbesserungen, beschlossen sind sie noch nicht (mehr dazu unten).
Was ist mit der AFBG-Novelle 2020 gekommen?
Die Novelle 2020 war der größte Reformschritt seit Jahren. Die zentralen Punkte:
Höhere Zuschüsse und Erlasse: Der Zuschussanteil zu den Lehrgangs- und Prüfungsgebühren stieg von 40 auf 50 Prozent, der Darlehenserlass bei bestandener Prüfung ebenfalls von 40 auf 50 Prozent (§ 12 Abs. 1, § 13b Abs. 1 AFBG). Den Namen gab es da schon: Mit der Reform 2016 wurde aus dem “Meister-BAföG” das “Aufstiegs-BAföG”. Gefördert werden nicht nur Meister, sondern ebenfalls Fachwirte, Techniker, Bilanzbuchhalter.
Unterhaltsbeitrag als reiner Zuschuss: Früher war der Unterhaltsbeitrag zur Hälfte Zuschuss, zur Hälfte Darlehen. Seit 2020 ist er zu 100 Prozent Zuschuss (§ 12 Abs. 2 AFBG). Wer bei Vollzeit-Fortbildungen 12 Monate lang 1.019 Euro Unterhaltsbeitrag bekommt, muss davon nichts zurückzahlen.
Höhere Freibeträge: Beim Vermögen stiegen die Freibeträge für den Ehepartner und für jedes Kind von 2.100 auf 2.300 Euro, für dich selbst bleiben 45.000 Euro frei (§ 17a AFBG).
Ehepartner-Freibetrag angepasst: Zeitgleich mit der Novelle stiegen zum 1. August 2020 die Einkommensfreibeträge, weil das AFBG sie aus dem BAföG übernimmt. 2026 bleiben vom Einkommen des mitverdienenden Partners monatlich 1.690 Euro frei und vom Rest die Hälfte (§ 25 Abs. 1 und 4 BAföG). Das erhöht den Unterhaltsbeitragsanspruch für Familien, in denen der Partner weiterverdient.
Kindersätze erhöht: Der Kinderbetreuungszuschlag für Alleinerziehende stieg von 130 auf 150 Euro je Kind und Monat und gilt seitdem für Kinder unter 14 statt unter 10 Jahren (§ 10 Abs. 3 AFBG). Neu eingeführt wurde er 2020 nicht, es gab ihn vorher schon. Für jedes Kind erhöht sich außerdem der Unterhaltsbedarf um 235 Euro, vollständig als Zuschuss.
Stufenlogik klarer: Seit dem 1. August 2020 besteht auf jede der drei Fortbildungsstufen nach Berufsbildungsgesetz und Handwerksordnung ein Förderanspruch. Damit sind bis zu drei Fortbildungen nacheinander förderbar (zum Beispiel Meister oder Fachwirt und danach Betriebswirt). Vorher förderte das AFBG grundsätzlich ein Aufstiegsfortbildungsziel, die Förderung einer zweiten Aufstiegsfortbildung war seit 2009 möglich.
Existenzgründer-Erlass: Nach der aktuellen Fassung wird das noch nicht fällig gewordene Restdarlehen für Lehrgangs- und Prüfungsgebühren auf Antrag in voller Höhe erlassen, wenn du innerhalb von drei Jahren nach Ende der Maßnahme ein Unternehmen gründest oder übernimmst, die Prüfung bestanden hast und den Betrieb mindestens drei Jahre als Haupterwerb führst (§ 13b Abs. 2 AFBG).
Welche Änderungen kamen nach 2020?
Zwischen 2020 und 2026 gab es kleinere Anpassungen:
- Seit 1. April 2024 keine AFBG-Förderung, wenn Qualifizierungsgeld nach dem SGB III gezahlt wird (§ 3 Satz 1 Nr. 6 AFBG)
- Bedarfssätze und Einkommensfreibeträge übernimmt das AFBG aus dem BAföG (§ 10 Abs. 2, § 17 AFBG), sie ändern sich, wenn das BAföG geändert wird. Der Freibetrag für eigenes Einkommen liegt zum Beispiel seit 1. Januar 2026 bei 389 Euro.
Die Werte, die im AFBG selbst stehen, blieben seit August 2020 unverändert: 235 Euro Kind-Zuschlag, 45.000 Euro Vermögensfreibetrag, 15.000 Euro Obergrenze für Lehrgangs- und Prüfungsgebühren. Der Unterhaltsbedarf richtet sich nach dem BAföG und liegt 2026 bei 882 Euro für Alleinstehende.
Welche Sätze gelten 2026?
Die Übersicht mit den wichtigsten Werten:
| Leistung | Wert 2026 |
|---|---|
| Obergrenze Lehrgangs- und Prüfungsgebühren | 15.000 Euro pro Fortbildung (Material für das Meisterstück zusätzlich bis 2.000 Euro) |
| Zuschuss-Anteil Maßnahmebeitrag | 50 Prozent |
| Darlehens-Anteil Maßnahmebeitrag | 50 Prozent (KfW-Darlehen, zinsfrei während Maßnahme und Karenzzeit) |
| Darlehenserlass bei Bestehen | 50 Prozent des noch nicht fälligen Darlehens für Lehrgangs- und Prüfungsgebühren |
| Existenzgründer-Erlass | voller Erlass des noch nicht fälligen Restdarlehens (§ 13b Abs. 2) |
| Unterhaltsbeitrag Alleinstehender (Vollzeit) | bis 1.019 Euro monatlich (882 Euro Bedarf plus Zuschläge für Kranken- und Pflegeversicherung) |
| Zuschlag Ehepartner | 235 Euro monatlich |
| Zuschlag pro Kind | 235 Euro monatlich |
| Kinderbetreuungszuschlag (Alleinerziehende, Kind unter 14) | 150 Euro je Kind und Monat |
| Grundfreibetrag Antragsteller (eigenes Einkommen) | 389 Euro monatlich (seit 1. Januar 2026) |
| Freibetrag Ehepartner | 850 Euro monatlich vom eigenen Einkommen; vom Einkommen des Ehepartners bleiben 1.690 Euro frei |
| Freibetrag pro Kind | 770 Euro monatlich |
| Vermögensfreibetrag Antragsteller | 45.000 Euro |
| Vermögensfreibetrag Ehepartner und je Kind | je 2.300 Euro |
| Mindest-Monatsrate KfW-Darlehen | 128 Euro |
| Karenzzeit nach Ende der Maßnahme | 2 Jahre (zins- und tilgungsfrei zusammen längstens 6 Jahre) |
| Förderungshöchstdauer Teilzeit | 48 Monate |
| Förderungshöchstdauer Vollzeit | 24 Monate |
| Mindest-Unterrichtseinheiten | 400 UE |
Was bedeutet die Novelle für einen Wirtschaftsfachwirt-Antrag 2026?
Auch beim Wirtschaftsfachwirt hat die Novelle etwas verändert, obwohl er typischerweise berufsbegleitend läuft und nur den Maßnahmebeitrag erhält. Dort lagen Zuschuss und Erlass bei Bestehen vor 2020 bei je 40 Prozent, seitdem bei je 50 Prozent.
Die Verbesserungen der Novelle treffen vor allem Vollzeit-Teilnehmer (Unterhaltsbeitrag als voller Zuschuss) und Teilnehmer mit Familie (höhere Zuschläge und Freibeträge). Für den berufsbegleitenden Wirtschaftsfachwirt bei SkillSprinters zählen die höheren Anteile beim Zuschuss und beim Erlass.
Beispielrechnung Wirtschaftsfachwirt, Teilzeit, alleinstehend, 3.997 Euro Kursgebühr:
- Zuschuss: 1.998,50 Euro
- Darlehen: 1.998,50 Euro
- Erlass bei Bestehen: 999,25 Euro
- Eigenanteil: 999,25 Euro
Diese Zahlen sind seit 2020 stabil. Wer heute den Wirtschaftsfachwirt beginnt, rechnet mit denselben Sätzen wie 2021 oder 2025.
Welche Auswirkungen haben Landesprämien auf AFBG 2026?
Landesprämien sind keine Änderung am AFBG selbst, sondern zusätzliche Förderungen der Bundesländer. Bei WFW-fähigen Fortbildungen kommen zum AFBG:
- Hessen: 3.500 Euro Aufstiegsprämie
- Bayern: 3.000 Euro Meisterbonus
- Thüringen: 2.000 Euro Aufstiegsprämie (erhöht 01.01.2026, vorher 1.000)
- Saarland: 2.000 Euro Aufstiegsbonus (verdoppelt Anfang 2026)
- Rheinland-Pfalz: 2.000 Euro Aufstiegsbonus I
- Hamburg: 1.300 Euro Meisterprämie (seit Jan 2025, vorher 1.000)
- Bremen: 1.300 Euro (gekürzt von 4.000 Euro seit 01.03.2025)
- Sachsen-Anhalt: 1.000 Euro Meisterbonus PLUS
In anderen Bundesländern ist die WFW-fähige Landesprämie nicht vorhanden oder nur für Handwerksmeister nach HwO Anlage A/B1 (NRW, Niedersachsen, BW, Berlin, MV, Sachsen, Brandenburg, SH). Details im Bereich Alternativen und Kombinationen.
Sind größere Änderungen am AFBG geplant?
Ja. Die Bundesregierung hat den Entwurf eines Fünften Gesetzes zur Änderung des AFBG vorgelegt (Bundestags-Drucksache 21/8412 vom 7. Oktober 2026). Der Bundestag hat ihn am 14. Oktober 2026 in erster Lesung beraten und an den Ausschuss für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend überwiesen. Zuständig für das AFBG ist heute das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. In Kraft treten soll das Gesetz am 1. August 2027.
Geplant sind laut Entwurf:
- Obergrenze für Lehrgangs- und Prüfungsgebühren 18.000 statt 15.000 Euro
- Förderung des Meisterstücks oder vergleichbarer Arbeiten bis 4.000 statt 2.000 Euro
- Darlehenserlass bei bestandener Prüfung 60 statt 50 Prozent
- Zuschüsse des Arbeitgebers werden nicht mehr auf den Maßnahmebeitrag angerechnet
- Kinderbetreuungszuschlag für Alleinerziehende 160 statt 150 Euro je Kind
Beschlossen ist davon noch nichts, bis zum Inkrafttreten gelten die Werte aus der Tabelle oben. Für Maßnahmen, die bis zum 31. Juli 2027 beginnen, soll laut Entwurf im Grundsatz das bisherige Recht weitergelten, mit Ausnahmen etwa beim Kinderbetreuungszuschlag.
Häufige Fragen zur aktuellen AFBG-Fassung
Gilt mein AFBG-Bewilligungsbescheid weiter, wenn das Gesetz sich ändert?
Grundsätzlich ja. Welche Fassung für eine laufende Maßnahme gilt, legt jede Novelle in einer Übergangsvorschrift fest. 2020 galten die Verbesserungen bei Förderumfang, Förderungsart und Vermögensfreibeträgen auch für Maßnahmen, die schon liefen (§ 30 Abs. 2 AFBG).
Kann ich nachträglich von einer Novelle profitieren?
Für laufende Maßnahmen teilweise, für schon abgelaufene Monate nicht. Wer 2018 einen AFBG-Antrag gestellt hat und am 1. August 2020 noch in der Maßnahme war, bekam ab diesem Tag die neuen Regeln zu Förderumfang, Förderungsart und Vermögensfreibeträgen (§ 30 Abs. 2 AFBG), also etwa den Unterhaltsbeitrag als vollen Zuschuss. Erlassanträge, die ab dem 1. August 2020 bei der KfW eingingen, liefen nach dem neuen § 13b (§ 30 Abs. 4).
Muss ich die Neuerungen selbst beantragen?
Nein. Das AFBG-Amt rechnet automatisch nach der aktuellen Fassung, wenn du deinen Antrag stellst. Du musst keine speziellen Anträge auf “neue Regelungen” einreichen.
Wo finde ich den aktuellen Gesetzestext?
Auf gesetze-im-internet.de/afbg. Die Seite wird bei jeder Gesetzesänderung aktualisiert.
Zählt die Fassung zum Zeitpunkt der Antragstellung oder zum Zeitpunkt des Kursstarts?
Nach den Übergangsvorschriften zählt der Beginn der Maßnahme, nicht der Antrag. 2020 liefen Maßnahmen, die vor dem 31. Juli 2020 begonnen hatten, im Grundsatz nach altem Recht weiter (§ 30 Abs. 2 AFBG). Der Entwurf für 2027 folgt demselben Muster: Für Maßnahmen, die bis zum 31. Juli 2027 beginnen, soll im Grundsatz die bis dahin geltende Fassung anzuwenden sein.
Diese Angaben basieren auf der AFBG-Fassung Stand April 2026 und den Veröffentlichungen im Bundesgesetzblatt. Für rechtsverbindliche Auskunft zu einzelnen Paragrafen ist der Gesetzestext selbst und die Auskunft des zuständigen AFBG-Amts maßgeblich. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung.
In meinen Beratungsgesprächen fragen manche Teilnehmer, ob sie lieber mit der Antragstellung warten sollten, weil vielleicht eine Reform kommt. Antwort: Nein. Die geltende Fassung ist für berufsbegleitende Fortbildungen wie den Wirtschaftsfachwirt seit 2020 unverändert, und der Entwurf für 2027 ist noch nicht beschlossen. Wer jetzt startet, rechnet mit klaren Zahlen. Wer wartet, verpasst Förderjahre.
Rechne mit den aktuellen AFBG-Sätzen
Der AFBG-Rechner arbeitet mit den Sätzen 2026. Zuschuss, Darlehen, Erlass für deine Fortbildung in 30 Sekunden. Beratungsgespräch buchen, wenn du deine Situation individuell besprechen willst.
Nächster Schritt: deine Zahlen kennen
Der Aufstiegs-BAföG-Rechner zeigt dir in 60 Sekunden, was dir nach allen Zuschüssen und Erlassen bleibt. Trag deine Kurskosten und dein Bundesland ein, die Rechnung erscheint direkt.
Wenn dein Ziel der Wirtschaftsfachwirt ist, kannst du parallel den WFW-Gehaltsrechner auf skill-sprinters.de durchrechnen und sehen, welche Gehaltssteigerung realistisch ist.
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