AFBG bei Krankheit während der Fortbildung: was passiert
SkillSprinters bietet den Wirtschaftsfachwirt (IHK) berufsbegleitend an, die Weiterbildung dauert 12 Monate. Der Wirtschaftsfachwirt zählt zu den Aufstiegsfortbildungen, die sich mit Aufstiegs-BAföG fördern lassen. Wer ihn plant, kann die Förderung und den Eigenanteil vorab berechnen.
Wenn du während einer AFBG-geförderten Fortbildung krank wirst und den Kurs unterbrechen musst, bleibt dein Förderanspruch erhalten. Das AFBG sieht Unterbrechungen durch Krankheit ausdrücklich vor. Bei schwerer Krankheit wird die Förderungshöchstdauer angemessen verlängert, höchstens um zwölf Monate (§ 11 Abs. 2 AFBG), und der Zuschuss sowie das Darlehen laufen nach Wiederaufnahme weiter. Bis zu drei Monate wird die Förderung während der Krankheit sogar weitergeleistet (§ 7 Abs. 4 AFBG). Der wichtige Schritt: Du musst die Unterbrechung dem AFBG-Amt ohne Zögern ausdrücklich erklären (§ 7 Abs. 4a AFBG), mit ärztlichem Attest.
Der Artikel zeigt, was bei kurzen und längeren Krankheitsphasen passiert, wie das Unterrichtsmaterial nachgeholt werden kann und wann ein Wechsel von Vollzeit zu Teilzeit sinnvoll ist.
Kurze Krankheitsphasen
Eine Erkältung, eine Woche Grippe, ein kurzer Klinikaufenthalt: Das sind typische Kurzunterbrechungen, die in keinem strukturierten Kurs komplett vermeidbar sind. Für das AFBG gilt bei kurzen Phasen (bis zu einigen Wochen):
- Die Förderung läuft weiter: Musst du die Teilnahme wegen Krankheit unterbrechen, wird sie bis zu drei Monate weitergeleistet (§ 7 Abs. 4 AFBG).
- Unterbrichst du die Teilnahme, braucht das auch bei wenigen Wochen eine ausdrückliche Erklärung an das AFBG-Amt (§ 7 Abs. 4a AFBG). Sie wirkt nur zurück, soweit sie ohne schuldhaftes Zögern kommt. Einzelne Fehltage zählen dagegen gegen die regelmäßige Teilnahme, nachzuweisen sind 70 Prozent (§ 9a Abs. 1 AFBG).
- Du musst den verpassten Stoff eigenständig nacharbeiten.
Bei SkillSprinters werden alle Online-Sitzungen aufgezeichnet und im Moodle-Kursraum hochgeladen. Das erlaubt dir, eine verpasste Woche relativ geräuschlos nachzuholen. Die IHK-Prüfung selbst wird von Krankheiten im Kursverlauf nicht beeinflusst, solange du am Prüfungstag teilnimmst.
Längere Unterbrechungen
Wenn die Krankheit länger dauert, zum Beispiel mehrere Monate, greift ein anderes System:
- Ausdrückliche Erklärung an das AFBG-Amt mit ärztlichem Attest, ohne schuldhaftes Zögern (§ 7 Abs. 4a AFBG). Das Amt dokumentiert die Unterbrechung.
- Verlängerung der Förderungshöchstdauer: Die reguläre Höchstdauer (bei Teilzeit bis 48 Monate, bei Vollzeit bis 24 Monate, § 11 Abs. 1 AFBG) wird bei schwerer Krankheit angemessen verlängert, höchstens um zwölf Monate (§ 11 Abs. 2 AFBG).
- Fortsetzung nach Genesung: Du nimmst den Kurs wieder auf, entweder im selben Kurs (wenn der Anbieter das ermöglicht) oder in einem Nachfolgekurs. Der Maßnahmebeitrag läuft dann für den verbleibenden Kurszeitraum weiter.
- Bei Vollzeit: Unterhaltsbeitrag während der Unterbrechung wird bis zu drei Monate weitergezahlt (§ 7 Abs. 4 AFBG). Dauert die Unterbrechung länger, besteht für die übrige Zeit bis zur Wiederaufnahme kein Anspruch (§ 7 Abs. 3a AFBG).
In meiner Beratungspraxis sehe ich, dass Teilnehmer bei einer ernsthaften Erkrankung oft zögern, das AFBG-Amt zu informieren, aus Sorge vor Sanktionen. Diese Sorge ist in der Regel unbegründet. Die Ämter sind auf solche Fälle eingestellt und handhaben sie konstruktiv.
Wechsel zwischen Vollzeit und Teilzeit bei Krankheit
Manchmal ermöglicht eine chronische Erkrankung oder Genesungsphase nicht mehr die ursprünglich geplante Vollzeit-Intensität. Zwei Wege sind möglich:
Wechsel auf eine Teilzeit-Variante desselben Kurses: Manche Anbieter haben parallel laufende Teilzeit-Kurse. Der Maßnahmebeitrag läuft entsprechend angepasst weiter, der Unterhaltsbeitrag entfällt beim Wechsel zu Teilzeit.
Abbruch und Neuantrag für eine Teilzeit-Fortbildung: Wenn ein nahtloser Wechsel nicht möglich ist, kannst du den laufenden Kurs abbrechen und später neu beginnen. Beim Abbruch entfällt in der Regel der Darlehenserlass für den bisherigen Kursteil, aber der Zuschuss für die bereits fälligen Kurskosten bleibt, wenn du aus wichtigem Grund abbrichst und bis dahin regelmäßig teilgenommen hast (§ 16 Abs. 3 AFBG). Detaillierte Fragen klärst du mit dem AFBG-Amt.
Rechenbeispiel: Unterbrechung beim Wirtschaftsfachwirt
Angenommen, du machst den Wirtschaftsfachwirt (IHK) berufsbegleitend. Nach fünf Monaten wirst du für zwei Monate ernsthaft krank. Die Kursgebühr (3.997 Euro, Stand 2026) hast du anteilig über den AFBG-Zuschuss bekommen.
- Bereits ausgezahlter Zuschuss: anteilig für fünf Monate
- Pause: zwei Monate, Meldung ans Amt mit Attest
- Fortsetzung: du steigst wieder ein, zum Beispiel in einem parallel laufenden oder dem nächsten Kurs
- Die restlichen Kursmonate werden finanziert, der Darlehensanteil wird bei Bestehen erlassen
Unterm Strich bleibt die Rechnung (rund 999 Euro Eigenanteil nach Bestehen) stabil, solange du den Kurs schließlich abschließt. Die Unterbrechung kostet dich nicht zusätzlich Geld.
Prüfung bei Krankheit
Wenn du am Prüfungstag krank bist, gelten andere Regeln. Die Prüfungsordnung der IHK sieht für den Wirtschaftsfachwirt vor:
- Rücktritt vor Prüfungsbeginn mit ärztlichem Attest gilt als nicht angetretene Prüfung. Wiederholung ist möglich.
- Abbruch während der Prüfung aus gesundheitlichen Gründen mit ärztlichem Attest: Je nach Prüfungsordnung wird das als “nicht angetretene Prüfung” gewertet oder führt zu einer Nachprüfung.
- Nichtantritt ohne Attest gilt als “nicht bestanden” und kostet einen Wiederholungsversuch.
Für das AFBG ist die Konsequenz des ersten Fehlversuchs: Der 50-Prozent-Erlass auf das Darlehen greift erst bei bestandener Wiederholungsprüfung. Bei gültigem Attest und Wiederholung bleibt die Systematik erhalten, das Darlehen bleibt während der Maßnahme und der Karenzzeit zinsfrei.
Chronische Erkrankungen
Wer eine chronische Erkrankung hat und während der Fortbildung mit längerfristig beeinträchtigten Phasen rechnet, sollte von Anfang an mit dem Bildungsträger und dem AFBG-Amt offen kommunizieren. Möglichkeiten:
- Flexiblere Kursform: Teilzeit statt Vollzeit, oder Kurse mit Aufzeichnung und Nachholmöglichkeit.
- Nachteilsausgleich in der Prüfung: Zeitzuschläge, Einzelprüfung, angepasste Hilfsmittel. Details im Artikel über AFBG mit Schwerbehinderung.
- Begleitende Leistungen zur Teilhabe (LTA) der Rentenversicherung für Hilfsmittel oder Assistenz.
- Beratungsstellen: Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) als neutrale Anlaufstelle.
In meiner Beratungspraxis sehe ich, dass vor Kursstart geklärte Anpassungen deutlich besser funktionieren als spontan während einer Phase der Erkrankung.
Was passiert mit dem Darlehen?
Bei einer Unterbrechung durch Krankheit läuft das Darlehen nicht weiter an. Die Rückzahlungsphase beginnt erst nach dem Ende der Maßnahme und der anschließenden Karenzzeit von zwei Jahren (§ 13 Abs. 3 AFBG). Verlängert sich deine Maßnahme durch die Unterbrechung, verschiebt sich auch der Rückzahlungsbeginn; zins- und tilgungsfrei bist du aber längstens sechs Jahre. Die Verlängerung der Förderungshöchstdauer nach § 11 Abs. 2 AFBG ist davon getrennt: Sie bestimmt, wie lange deine Maßnahme gefördert werden kann, und hat mit dem Beginn der Karenzzeit nichts zu tun. Das heißt:
- Während der Krankheitsphase fließt kein weiterer Darlehensanteil.
- Nach Wiederaufnahme läuft der Darlehensanteil für den verbleibenden Kurszeitraum.
- Nach Kursende (eventuell verlängert) beginnt die Rückzahlungsphase zwei Jahre später.
Bei längeren Unterbrechungen lohnt eine explizite Rücksprache mit der KfW zu den Vertragsdetails.
Wichtiger Hinweis: Unterstützung holen
Eine längere Erkrankung während einer Fortbildung ist stressig, und die gesundheitliche Erholung hat Priorität vor der Kursstruktur. Wenn es ernsthaft wird, sprich früh mit deinem Hausarzt, wenn nötig mit Fachärzten, bei psychischen Belastungen mit Therapeuten oder Beratungsstellen der Krankenkasse. Weiterbildung ersetzt keine medizinische Versorgung. Die Förderung wird fortgesetzt, sobald du wieder einsteigst.
Diese Rechnung ist ein Überschlag
Die hier geschilderten Abläufe beruhen auf den Regelungen des AFBG (Stand 2026) und typischer Amtspraxis. Jede Unterbrechung wird im Einzelfall vom AFBG-Amt und gegebenenfalls vom Bildungsträger entschieden. Das ist keine Rechts- oder Sozialberatung. Bei konkreten Fällen: Kontakt zum zuständigen AFBG-Amt und zum Bildungsträger.
FAQ
Wie lange darf ich unterbrechen, ohne meinen AFBG-Anspruch zu verlieren?
Die Förderung wird bei Wiederaufnahme fortgesetzt (§ 7 Abs. 3a AFBG). Längere Unterbrechungen werden dokumentiert, und bei schwerer Krankheit wird die Förderungshöchstdauer angemessen verlängert, höchstens um zwölf Monate (§ 11 Abs. 2 AFBG). Während der Krankheit selbst wird die Förderung bis zu drei Monate weitergeleistet (§ 7 Abs. 4 AFBG). Wichtig ist die ausdrückliche Erklärung an das Amt ohne schuldhaftes Zögern (§ 7 Abs. 4a AFBG), mit ärztlichem Attest.
Muss ich meine Krankheit detailliert offenlegen?
Nein. Ein ärztliches Attest zur Dauer und zur Tatsache der Arbeitsunfähigkeit bzw. Kursunfähigkeit reicht. Die Diagnose selbst musst du nicht im Detail mitteilen. Das AFBG-Amt braucht nur den Nachweis, dass die Unterbrechung gesundheitlich begründet ist.
Kann ich während einer Krankheitspause den Zuschuss weiterbeziehen?
Bis zu drei Monate ja: Solange du die Teilnahme wegen Krankheit unterbrichst, wird die Förderung bis zu drei Monate weitergeleistet (§ 7 Abs. 4 AFBG), bei Vollzeit also auch der Unterhaltsbeitrag. Danach besteht bis zur Wiederaufnahme kein Anspruch (§ 7 Abs. 3a AFBG). Bei Wiederaufnahme läuft die Auszahlung weiter.
Was, wenn ich die Prüfung wegen Krankheit nicht bestehe?
Eine nicht bestandene Prüfung ist grundsätzlich wiederholbar. Bei gesundheitlicher Begründung mit ärztlichem Attest wird das Nicht-Bestehen in der Regel nicht als vollwertiger Versuch gewertet, abhängig von der Prüfungsordnung. Der Darlehenserlass greift nach bestandener Wiederholung.
Kann ich den Kurs komplett abbrechen und später neu beginnen?
Ja, aber das ist dann keine Unterbrechung im formalen Sinne, sondern ein Neustart. Der Zuschuss für bereits fällige Kursgebühren bleibt dir, wenn du aus wichtigem Grund abbrichst und bis dahin regelmäßig teilgenommen hast (§ 16 Abs. 3 AFBG), das Darlehen wird ohne Erlass zur Rückzahlung fällig. Ein späterer Neubeginn wäre ein neuer AFBG-Antrag. Oft ist die Unterbrechung die bessere Option.
Über den Autor
Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger (AZAV). Promovierter Wirtschaftspädagoge, über zehn Jahre Erfahrung in Bildung und Digitalisierung. Er berät Berufstätige zu Förderwegen und unterrichtet in Weiterbildungen für den digitalen Arbeitsmarkt. Mehr unter Über den Autor.
Zuletzt geprüft am 22.04.2026 von Dr. Jens Aichinger.
Weitere Quellen: AFBG im Gesetzestext, Offizielles Portal zum Aufstiegs-BAföG.
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Nächster Schritt: deine Zahlen kennen
Der Aufstiegs-BAföG-Rechner zeigt dir in 60 Sekunden, was dir nach allen Zuschüssen und Erlassen bleibt. Trag deine Kurskosten und dein Bundesland ein, die Rechnung erscheint direkt.
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