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Aufstiegs-BAföG-Rechner

AFBG für Vollzeit-Fortbildungen: was ist anders

· 7 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Mehrere Lernmaterialien auf einem Schreibtisch im Tageslicht, dahinter ein großes Fenster

AFBG fördert Vollzeit-Fortbildungen mit dem vollen Maßnahmebeitrag (50 Prozent Zuschuss, 50 Prozent zinsloses Darlehen, 50 Prozent Darlehenserlass bei Bestehen) und zusätzlich einem einkommensabhängigen Unterhaltsbeitrag von bis zu 963 Euro monatlich. Die Förderungshöchstdauer bei Vollzeit liegt bei 24 Monaten. Typische Vollzeit-Fortbildungen: Meister in 12 Monaten, Techniker in 24 Monaten, intensive Fachwirt-Komprimierungen in 4 bis 6 Monaten.

Der Unterschied zur Teilzeit-Förderung ist zweischneidig. Einerseits bekommst du zusätzlich Unterhaltsbeitrag, was den Lebensunterhalt während der Kurszeit abfedert. Andererseits ist der Kurs intensiver, du gibst den Job auf oder reduzierst massiv, und der Unterhaltsbeitrag deckt in der Regel weniger als dein bisheriges Nettoeinkommen.

Was ist eine Vollzeit-Fortbildung im AFBG-Sinn?

Eine Fortbildung ist Vollzeit, wenn der Kurs-Umfang mindestens 25 Stunden Präsenz- oder Live-Unterricht pro Woche umfasst. Typischerweise geht es um 35 bis 40 Stunden. Für den Wirtschaftsfachwirt bei SkillSprinters gilt: 11 Monate abends und am Wochenende, das ist Teilzeit. Nur komprimierte Vollzeitvarianten mit täglichem Vormittags- und Nachmittagsunterricht sind Vollzeit.

Zu den klassischen Vollzeit-Fortbildungen gehören:

  • Handwerksmeisterkurse in Vollzeit (Dauer 3 bis 12 Monate)
  • Industriemeisterkurse in Vollzeit
  • Staatlich geprüfter Techniker in Vollzeit (24 Monate typisch)
  • Intensive Fachwirt-Kurse über 3 bis 6 Monate
  • Bilanzbuchhalter als 3- bis 6-monatiger Vollzeit-Sprint
  • Digitalisierungsmanager im AFBG-Kontext: nicht förderfähig (läuft über Bildungsgutschein)

Welche Leistungen bekomme ich bei Vollzeit-AFBG?

Zwei Säulen: Maßnahmebeitrag für die Kurskosten, Unterhaltsbeitrag für den Lebensunterhalt.

Maßnahmebeitrag (einkommensunabhängig):

  • 50 Prozent Zuschuss auf Kurs- und Prüfungskosten
  • 50 Prozent zinsloses KfW-Darlehen
  • 50 Prozent Darlehenserlass bei Bestehen
  • Maximale Förderhöhe: 15.000 Euro pro Fortbildung

Unterhaltsbeitrag (einkommensabhängig, nur bei Vollzeit):

  • Grundbedarf Alleinstehender: bis 963 Euro monatlich
  • Zuschlag Ehepartner: 235 Euro monatlich
  • Zuschlag pro Kind: 235 Euro monatlich
  • Kinderbetreuungszuschlag für Alleinerziehende: bis 160 Euro je Kind unter 14

Seit 2020 wird der Unterhaltsbeitrag als reiner Zuschuss ausgezahlt, ohne Darlehensanteil. Rückzahlen musst du den Unterhaltsbeitrag nicht, auch nicht bei Nichtbestehen. Steuerfrei.

Wie hoch ist der Unterhaltsbeitrag konkret?

Die genaue Höhe hängt an deinen Einkommens- und Familienverhältnissen. Ein paar Szenarien:

Alleinstehender, kein eigenes Einkommen, keine Kinder: 963 Euro monatlich.

Alleinerziehend mit einem Kind unter 14, kein eigenes Einkommen: 963 Euro plus 235 Euro Kind-Zuschlag plus 160 Euro Kinderbetreuungszuschlag = 1.358 Euro monatlich.

Verheiratet mit zwei Kindern, Partner verdient nicht, kein eigenes Einkommen: 963 Euro plus 235 Euro Ehepartner plus 2 mal 235 Euro Kinder = 1.668 Euro monatlich.

Verheiratet mit zwei Kindern, Partner verdient 2.500 Euro netto: Grundbedarf 1.668 Euro, anrechenbares Partner-Einkommen über Freibetrag (805 Euro) = 1.695 Euro, Unterhaltsbeitrag nach Anrechnung: 0 Euro. Nur der Maßnahmebeitrag bleibt dir.

Die Einkommens-Anrechnung ist steuermäßig komplex. Die Pauschalen werden auf Netto-Einkommen bezogen, mit Freibeträgen für Werbungskosten, Sozialabgaben und Unterhaltsberechtigte. Der AFBG-Rechner macht eine Überschlagsberechnung. Für den genauen Betrag ist das AFBG-Amt zuständig.

Wie lange darf eine Vollzeit-Fortbildung dauern?

Die Förderungshöchstdauer bei Vollzeit liegt bei 24 Monaten ab Kursbeginn. Das deckt praktisch alle klassischen Vollzeit-Fortbildungen ab. Meisterkurse laufen typisch 6 bis 12 Monate, Technikerkurse 24 Monate, Fachwirt-Vollzeit-Komprimierungen 3 bis 6 Monate.

Wer über 24 Monate geht, verliert ab Monat 25 die AFBG-Förderung. In solchen Fällen ist eine Aufteilung in Module oder eine Umstellung auf Teilzeit-Format eine Alternative.

Welche Einkommensnachweise brauche ich bei Vollzeit?

Mehr als bei Teilzeit, weil der Unterhaltsbeitrag einkommensabhängig ist.

  • Letzter Einkommensteuerbescheid (deiner und des Ehepartners, wenn verheiratet)
  • Letzte drei Gehaltsabrechnungen (eigene und Ehepartner)
  • Nachweis über Kinder (Geburtsurkunden)
  • Eventuell Nachweis über Kindergeld-Bezug
  • Bei Arbeitslosigkeit: aktuelle Bescheide der Agentur für Arbeit
  • Bei Selbstständigkeit: Einnahmen-Überschuss-Rechnung oder Bilanz des letzten Jahres

Die Bearbeitungszeit bei Vollzeit-Anträgen ist oft länger als bei Teilzeit (vier bis fünf Monate statt drei), weil mehr Unterlagen geprüft werden.

Wie verhalten sich Krankenversicherung und Sozialversicherung während Vollzeit-Fortbildung?

Wenn du Vollzeit fortbildest und den Job aufgibst, ändert sich dein Versicherungsstatus. Optionen:

  • Fortführung der gesetzlichen Krankenversicherung als freiwillig Versicherter (Beitrag nach eigenem Einkommen, bei geringem Einkommen niedriger Mindestbeitrag)
  • Familienversicherung über den Ehepartner, wenn verheiratet und Partner gesetzlich versichert
  • Sozialversicherung über ALG-I-Bezug, wenn vor Kursbeginn Anspruch besteht

Das AFBG-Amt verlangt oft einen Nachweis der fortgeführten Krankenversicherung. Die Kosten trägst du selbst, der Unterhaltsbeitrag enthält sie nicht separat. Plane monatlich 150 bis 300 Euro Krankenversicherungsbeitrag bei freiwilliger Versicherung ein.

Was ist, wenn ich während der Vollzeit arbeitslos werde?

Positive Seite: dein anrechenbares Einkommen sinkt, der Unterhaltsbeitrag steigt möglicherweise. Du musst das AFBG-Amt informieren, damit der Betrag angepasst wird.

Negative Seite: ALG-I-Anspruch und AFBG-Unterhaltsbeitrag werden gegeneinander verrechnet. Du kannst nicht beides in voller Höhe bekommen. In der Regel hast du die Wahl: ALG-I bis zum Auslaufen der Anspruchsdauer, danach Unterhaltsbeitrag. Oder von Anfang an Unterhaltsbeitrag, wenn der höher ausfällt.

Details dazu im Silo Lebenssituationen.

Welche Vollzeit-Fortbildungen lohnen sich über AFBG?

Rechenbeispiel Handwerksmeister, Vollzeit 12 Monate:

  • Kurskosten: 7.000 Euro

  • Zuschuss: 3.500 Euro

  • Darlehen: 3.500 Euro

  • Erlass bei Bestehen: 1.750 Euro

  • Eigenanteil Kurskosten: 1.750 Euro

  • Unterhaltsbeitrag (Alleinstehender, kein Einkommen): 963 Euro mal 12 Monate = 11.556 Euro Zuschuss

  • Gesamtförderung (Kurse plus Lebensunterhalt): rund 19.806 Euro Zuschuss plus 1.750 Euro Erlass

Bei einem 2.500-Euro-Netto-Einkommen vor der Vollzeit-Fortbildung ist die Vollzeit-Variante mit Unterhaltsbeitrag oft wirtschaftlich attraktiv, wenn die Kursdauer kurz genug ist.

Rechenbeispiel Staatlich geprüfter Techniker, Vollzeit 24 Monate:

  • Kurskosten: 8.000 Euro

  • Zuschuss: 4.000 Euro

  • Darlehen: 4.000 Euro

  • Erlass: 2.000 Euro

  • Eigenanteil Kurskosten: 2.000 Euro

  • Unterhaltsbeitrag: 963 Euro mal 24 Monate = 23.112 Euro

  • Gesamtförderung: rund 29.112 Euro Zuschuss plus 2.000 Euro Erlass

Häufige Fragen zu Vollzeit-AFBG

Muss ich den Job komplett aufgeben?

Du kannst während der Vollzeit-Fortbildung Kleinbeträge dazuverdienen. Bei Einkommen über dem Grundfreibetrag (330 Euro monatlich) wird das auf den Unterhaltsbeitrag angerechnet. Wer nur 400 Euro Minijob zusätzlich hat, verliert rund 70 Euro Unterhaltsbeitrag, was sich in der Regel lohnt.

Zählt der Unterhaltsbeitrag als Einkommen für andere Leistungen?

Nein. Der Unterhaltsbeitrag ist zweckgebunden für den Lebensunterhalt während der Fortbildung und gilt nicht als Einkommen im Sinne von Bürgergeld, Wohngeld oder ähnlichen Leistungen. Die Freibetrags-Systematik dort behandelt ihn gesondert.

Was ist mit Miete und Heizkosten?

Der Unterhaltsbeitrag ist ein Pauschalbetrag. Er enthält keine separate Warmmieten-Pauschale. Für besonders hohe Mieten in Ballungszentren ist der Betrag oft knapp. Manche Teilnehmer kombinieren Unterhaltsbeitrag mit Wohngeld oder anderen Unterstützungsleistungen. Die Kombinationsfähigkeit klärst du beim Bürgeramt und beim AFBG-Amt gleichzeitig.

Wird die Fortbildungszeit als Arbeitslosigkeit gewertet?

Nein. Die Agentur für Arbeit wertet die Vollzeit-Fortbildung als Bildungsmaßnahme. Deine ALG-I-Ansprüche bleiben grundsätzlich erhalten, wenn du sie vor der Fortbildung erworben hast. Nach der Fortbildung kannst du sie ggf. geltend machen, wenn du arbeitssuchend bist.

Bekomme ich den Unterhaltsbeitrag ausgezahlt oder auf ein Sperrkonto?

Unterhaltsbeitrag wird monatlich direkt auf dein Girokonto überwiesen. Kein Sperrkonto, keine Verwendungsnachweise. Du entscheidest selbst, wie du die 963 Euro plus Zuschläge verwendest.


Diese Angaben basieren auf der AFBG-Fassung Stand 2026. Die konkrete Berechnung des Unterhaltsbeitrags hängt von deiner individuellen Einkommenslage ab und wird vom AFBG-Amt verbindlich festgelegt. Dieser Artikel ist keine Rechts- oder Steuerberatung.

In meinen Beratungsgesprächen überlegen viele Teilnehmer zwischen Teilzeit und Vollzeit. Die Entscheidung hängt weniger an der Förderung als am Lebensmodell. Wer stabil verdient und nur abends lernen kann, nimmt Teilzeit. Wer eine Karrierepause einlegt und in einer intensiven Sprint-Phase durchziehen will, nimmt Vollzeit plus Unterhaltsbeitrag. Rein finanziell sind beide Varianten mit AFBG darstellbar, die Wahl ist eine Frage der Lebensphase.

Rechne beide Varianten durch

Der AFBG-Rechner zeigt dir Maßnahmebeitrag und Unterhaltsbeitrag für dein Szenario. Termin mit Jens, wenn du Teilzeit und Vollzeit gegenrechnen willst.


Nächster Schritt: deine Zahlen kennen

Der Aufstiegs-BAföG-Rechner zeigt dir in 60 Sekunden, was dir nach allen Zuschüssen und Erlassen bleibt. Trag deine Kurskosten und dein Bundesland ein, die Rechnung erscheint direkt.

Wenn dein Ziel der Wirtschaftsfachwirt ist, kannst du parallel den WFW-Gehaltsrechner auf skill-sprinters.de durchrechnen und sehen, welche Gehaltssteigerung realistisch ist.

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