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Aufstiegs-BAföG-Rechner

AFBG vs QCG: was für Angestellte besser ist

· 7 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Schreibtisch mit zwei Aktenordnern, Laptop und Kaffeebecher, natürliches Seitenlicht

Aufstiegs-BAföG (AFBG) und Qualifizierungschancengesetz (QCG) sind beide für Beschäftigte möglich, aber grundverschieden. AFBG beantragst du selbst beim AFBG-Amt deines Bundeslands für eine Aufstiegsfortbildung. QCG beantragt dein Arbeitgeber bei der Agentur für Arbeit für deine Qualifizierung während des Jobs. Was für dich besser ist, hängt vor allem davon ab, ob dein Arbeitgeber mitzieht.

In der Praxis sind beide Wege für unterschiedliche Kurse gedacht. AFBG ist der klassische Weg für den Wirtschaftsfachwirt (IHK), Meister oder Bilanzbuchhalter. QCG ist der Weg, über den Unternehmen KI-Weiterbildungen wie den Digitalisierungsmanager finanzieren.

Was ist das Qualifizierungschancengesetz (QCG)?

QCG steht im § 82 SGB III. Die Agentur für Arbeit fördert Weiterbildungen von Beschäftigten, wenn der Job durch Strukturwandel, Digitalisierung oder Automatisierung gefährdet ist oder wenn neue Qualifikationen für den Betrieb gebraucht werden. Der Antrag läuft über den Arbeitgeber. Der Betrieb bekommt einen Zuschuss zu den Lehrgangskosten und in vielen Fällen zusätzlich einen Lohnzuschuss für die Kurszeit.

Die Förderquote der Lehrgangskosten hängt von der Unternehmensgröße ab:

  • unter 10 Mitarbeiter: bis 100 Prozent
  • 10 bis 249 Mitarbeiter: 50 bis 100 Prozent
  • 250 bis 2.499 Mitarbeiter: bis 50 Prozent
  • ab 2.500 Mitarbeiter: bis 25 Prozent

Kleine Betriebe bekommen also fast alles gefördert, große Konzerne nur einen Teil. Der Lohnzuschuss deckt einen Teil des Bruttolohns während der Kurszeit ab und wird direkt an den Arbeitgeber ausgezahlt.

Was ist der Unterschied zu AFBG?

AFBG und QCG unterscheiden sich in fünf Punkten: Antragsteller, Gesetzesgrundlage, Förderobjekt, Förderquote und Rückzahlung.

MerkmalAufstiegs-BAföG (AFBG)Qualifizierungschancengesetz (QCG)
Antragstellerdu selbstdein Arbeitgeber
RechtsgrundlageAFBG§ 82 SGB III
Zielgruppealle in AufstiegsfortbildungBeschäftigte in Strukturwandel
FörderobjektLehrgangskosten plus UnterhaltsbeitragLehrgangskosten plus optional Lohnzuschuss
Förderquote50 Prozent Zuschuss, 50 Prozent Darlehen25 bis 100 Prozent nach Betriebsgröße
Rückzahlunganteilig (KfW-Darlehen)keine
Typische KurseWirtschaftsfachwirt, MeisterKI-Weiterbildung, Digitalisierung

Bei QCG fällt die Rückzahlung komplett weg, weil es kein Darlehen gibt. Der Haken: Dein Arbeitgeber muss mitmachen. Er muss den Antrag stellen, Dokumente liefern und dich während der Kurszeit entweder freistellen oder Teilzeit geben.

Wann lohnt sich AFBG, wann QCG?

Fünf typische Situationen und der jeweils sinnvollere Weg:

Du willst den Wirtschaftsfachwirt (IHK) berufsbegleitend machen. AFBG ist der Standardweg. Du beantragst selbst, der Kurs läuft Di und Do abends, du behältst deinen Job. QCG wäre theoretisch möglich, ist aber bei einem IHK-Abschluss unüblich. Die meisten Arbeitgeber winken ab, weil der Nutzen schwerer zu argumentieren ist.

Du willst eine 4-monatige KI-Vollzeitweiterbildung machen und bleibst angestellt. QCG ist fast zwingend. Dein Arbeitgeber stellt dich frei und bekommt einen Großteil der Kurskosten ersetzt. AFBG scheidet aus, weil der Digitalisierungsmanager kein AFBG-fähiger Abschluss ist.

Du bist in einem kleinen Betrieb (unter 10 Mitarbeiter) und willst aufsteigen. QCG mit 100 Prozent Förderquote ist extrem attraktiv, aber eben nur für QCG-fähige Kurse. Für den Wirtschaftsfachwirt (IHK) bleibt AFBG der schnellere Weg, weil kein Arbeitgeber-Antrag nötig ist.

Dein Arbeitgeber will sich nicht mit Förderanträgen beschäftigen. AFBG. Du machst den Antrag allein beim AFBG-Amt und brauchst deinen Arbeitgeber nicht einzubeziehen (außer für Einkommensnachweise, wenn es um den Unterhaltsbeitrag geht).

Du willst langfristig im Betrieb eine neue Rolle übernehmen und der Arbeitgeber sieht Bedarf. QCG ist die elegante Variante. Dein Arbeitgeber investiert in dich, bekommt einen Großteil gefördert, du hast keine Rückzahlung. Reihenfolge: erst mit dem Chef reden, dann bei der Agentur für Arbeit den Prozess klären.

Rechenbeispiel: Wirtschaftsfachwirt mit AFBG vs QCG

Kursgebühr Wirtschaftsfachwirt (IHK): 3.997 Euro (Stand 2026)

Variante 1: AFBG

  • Zuschuss (50 Prozent): 1.998,50 Euro
  • Darlehen (50 Prozent): 1.998,50 Euro
  • Erlass bei Bestehen (50 Prozent des Darlehens): 999,25 Euro
  • Eigenanteil nach Bestehen: rund 999 Euro
  • Steuerlich absetzbar als Werbungskosten

Variante 2: QCG in einem 50-Mitarbeiter-Betrieb

  • Kursgebühr: 3.997 Euro
  • QCG-Förderquote: bis 50 Prozent für diese Betriebsgröße, in der Praxis oft genau 50 Prozent
  • Zuschuss: 1.998,50 Euro geht an den Arbeitgeber
  • Rest: 1.998,50 Euro trägt der Arbeitgeber (oder anteilig du)
  • Eigenanteil für dich: wenn Arbeitgeber alles übernimmt: null
  • Keine Rückzahlung

Bei QCG hängt dein Eigenanteil davon ab, was dein Arbeitgeber mit dir vereinbart. Manche Betriebe übernehmen den Restbetrag komplett, andere teilen ihn. In der Regel gibt es eine Vereinbarung mit Rückzahlungsklausel, wenn du innerhalb von zwei bis drei Jahren nach Abschluss den Betrieb verlässt.

Kann ich AFBG und QCG kombinieren?

Nein. Eine Maßnahme wird entweder nach AFBG oder nach QCG gefördert, nicht nach beiden. Zwei verschiedene Maßnahmen nacheinander sind möglich: erst ein QCG-gefördertes KI-Zertifikat, später (nach einem Karriereschritt) ein AFBG-geförderter Wirtschaftsfachwirt.

Wichtig: Wenn dein Arbeitgeber QCG ablehnt, kannst du dieselbe Maßnahme nicht mit AFBG finanzieren, solange sie keine anerkannte Aufstiegsfortbildung ist.

Was spricht für den AFBG-Weg, was für QCG?

Pro AFBG:

  • Du entscheidest selbst, ob du die Fortbildung machst
  • Kein Arbeitgeber-Zustimmung nötig
  • Keine Rückzahlungsklausel bei Jobwechsel
  • Steuerliche Absetzbarkeit des Eigenanteils

Pro QCG:

  • Keine Rückzahlung
  • Arbeitgeber trägt häufig den Restbetrag
  • Lohnzuschuss möglich (dein Gehalt wird teilweise vom Arbeitsamt bezahlt)
  • Der Betrieb investiert in dich, was das Verhältnis stärkt

Pro AFBG für Aufstiegsfortbildungen, pro QCG für strukturwandel-nahe Weiterbildungen. So einfach ist die Faustregel.

Diese Rechnung ist ein Überschlag auf Basis der gesetzlichen AFBG- und QCG-Sätze (Stand 2026). Die konkrete Höhe deines Anspruchs hängt von deinen individuellen Umständen und bei QCG von der Arbeitgeber-Entscheidung ab. Für eine rechtssichere Berechnung wende dich an die zuständige Stelle oder einen Steuerberater.

Häufige Fragen

Wer hat den größeren Nutzen aus QCG, Arbeitgeber oder Arbeitnehmer?

Beide, wenn die Rollen klar sind. Der Arbeitgeber spart Lehrgangskosten und bekommt einen qualifizierten Mitarbeiter. Der Arbeitnehmer spart den Eigenanteil und bekommt eine Qualifikation, die im Lebenslauf zählt. Die Frage, wer wie viel vom Kuchen bekommt, wird in der Vereinbarung mit dem Arbeitgeber geklärt.

Was ist, wenn mein Arbeitgeber QCG will, aber ich lieber AFBG?

Wenn der Kurs AFBG-fähig ist und du den Arbeitgeber nicht einbeziehen willst, kannst du AFBG selbst beantragen. Dann zahlt dein Arbeitgeber nichts, du trägst den Eigenanteil, behältst aber volle Freiheit bei Jobwechsel. In der Beratungspraxis sehe ich das oft bei Teilnehmern, die unabhängig bleiben wollen.

Ist QCG auch für Mini-Jobber möglich?

Ja, grundsätzlich ja, aber die Hürden sind höher. Die Weiterbildung muss auf einen erweiterten Tätigkeitsbereich oder Aufstieg im Betrieb zielen. Bei Minijobbern steckt die Förderquote meist am oberen Ende, weil der Betrieb in der Regel klein ist.

Wie lange dauert die QCG-Bewilligung?

Vier bis acht Wochen, je nach Agentur für Arbeit. Dein Arbeitgeber stellt den Antrag, du unterschreibst mit. AFBG dauert drei bis fünf Monate, der Weg ist also langsamer, aber direkt.

Kann ich vom QCG zu AFBG wechseln?

Nein, nicht innerhalb derselben Maßnahme. Du kannst aber nach Abschluss einer QCG-Weiterbildung eine weitere Aufstiegsfortbildung mit AFBG beantragen.


Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer der SkillSprinters-Akademie, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger nach AZAV. Er ist promovierter Naturwissenschaftler und arbeitet seit über 10 Jahren in Bildung und Digitalisierung. In seiner Beratungspraxis zeigt er Interessenten, welcher Förderweg zu ihrer Situation passt.

Mehr zum Autor unter /ueber-den-autor/. Zuletzt geprüft am 22. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.

AFBG oder QCG? Das Rechenbeispiel kennen.

Im AFBG-Rechner siehst du, wie viel du über AFBG bekommst. Für die QCG-Frage lohnt sich meist ein Gespräch, weil dein Arbeitgeber ins Boot muss.

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Nächster Schritt: deine Zahlen kennen

Der Aufstiegs-BAföG-Rechner zeigt dir in 60 Sekunden, was dir nach allen Zuschüssen und Erlassen bleibt. Trag deine Kurskosten und dein Bundesland ein, die Rechnung erscheint direkt.

Wenn dein Ziel der Wirtschaftsfachwirt ist, kannst du parallel den WFW-Gehaltsrechner auf skill-sprinters.de durchrechnen und sehen, welche Gehaltssteigerung realistisch ist.

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