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Aufstiegs-BAföG-Rechner

Die Gesamtrechnung: AFBG + Landesprämie + Steuerersparnis am Beispiel WFW

· 8 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Notizblock mit handschriftlicher Rechnung in Spalten und Taschenrechner auf einem Schreibtisch

Beim Wirtschaftsfachwirt (IHK) kommen drei Fördertöpfe zusammen: AFBG bundesweit, Landesprämie je nach Bundesland und steuerliche Absetzbarkeit als Werbungskosten. Wer alle drei zusammenrechnet, zahlt in der Hälfte der Bundesländer nicht drauf, sondern bekommt unterm Strich mehr Geld raus als die Kursgebühr ursprünglich kostet.

Dieser Artikel zeigt die komplette Gesamtrechnung für drei Beispiel-Bundesländer: Hessen (höchste Prämie), Bayern (zweithöchste) und Nordrhein-Westfalen (keine Prämie für Fachwirte). So siehst du die volle Bandbreite und kannst deinen eigenen Fall einsortieren.

Die Grundlage: AFBG beim Wirtschaftsfachwirt

Basis für alle Rechnungen ist die Kursgebühr von 3.997 Euro (Stand 2026) für den berufsbegleitenden Wirtschaftsfachwirt (IHK). AFBG greift bundesweit identisch:

  • Zuschuss (50 Prozent): 1.998,50 Euro direkt auf dein Konto
  • Darlehen (50 Prozent): 1.998,50 Euro zinsloses KfW-Darlehen
  • Erlass bei Bestehen (50 Prozent des Darlehens): 999,25 Euro erlassen
  • Rest-Darlehen zur Rückzahlung: 999 Euro

Das heißt: In jedem Bundesland reduziert AFBG den Eigenanteil von 3.997 Euro auf rund 999 Euro. Unterschiede kommen durch die Landesprämie und die individuelle Steuerersparnis.

Die Landesprämien 2026 im Überblick (WFW-fähig)

Acht Bundesländer zahlen eine Aufstiegs- oder Meisterprämie, die auch für den Wirtschaftsfachwirt gilt. Die Höhe variiert zwischen 1.000 und 3.500 Euro:

BundeslandPrämieProgrammname
Hessen3.500 EuroHessische Aufstiegsprämie
Bayern3.000 EuroBayerischer Meisterbonus
Thüringen2.000 EuroMeisterbonus (seit 01.01.2026)
Saarland2.000 EuroAufstiegsbonus (2026 verdoppelt)
Rheinland-Pfalz2.000 EuroAufstiegsbonus I
Hamburg1.300 EuroMeisterprämie
Bremen1.300 EuroAufstiegsfortbildungs-Prämie
Sachsen-Anhalt1.000 EuroMeisterbonus PLUS

Die anderen acht Bundesländer (NRW, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Brandenburg, Schleswig-Holstein) zahlen entweder gar nichts oder nur Handwerksmeistern, nicht Wirtschaftsfachwirten.

Die Steuerersparnis: wie sie sich berechnet

Den AFBG-Eigenanteil (rund 999 Euro) und weitere Kosten (Prüfungsgebühren, Fachliteratur) kannst du als Werbungskosten absetzen. Die tatsächliche Steuerersparnis hängt von deinem Grenzsteuersatz ab:

Einkommen/JahrGrenzsteuersatzErsparnis auf 999 Euro Eigenanteil
bis 20.000 Euroca. 14-25 Prozentrund 140-250 Euro
20.000-45.000 Euroca. 25-35 Prozentrund 250-350 Euro
45.000-65.000 Euroca. 35-42 Prozentrund 350-420 Euro
über 65.000 Euro42 Prozentrund 420 Euro

Plus Prüfungsgebühren (ca. 500 Euro), Fachliteratur (ca. 200 Euro): Gesamt-Werbungskosten rund 1.700 Euro. Die tatsächliche Steuerersparnis liegt zwischen 240 und 700 Euro, je nach Einkommen.

Für die folgenden Rechenbeispiele nehme ich 30 Prozent Grenzsteuersatz an (typisch für eine Bürokauffrau mit 35.000 Euro Bruttoeinkommen).

Rechenbeispiel 1: Hessen

Du wohnst in Hessen, bist fest angestellt, hast 35.000 Euro Bruttoeinkommen (Grenzsteuersatz 30 Prozent):

  • Kursgebühr: 3.997 Euro
  • AFBG-Zuschuss (bleibt dir): 1.998,50 Euro
  • AFBG-Darlehen: 1.998,50 Euro
  • Darlehenserlass bei Bestehen: 999,25 Euro
  • Rest-Darlehen: 999 Euro
  • Hessische Aufstiegsprämie: 3.500 Euro (steuerfrei)
  • Steuerersparnis auf Werbungskosten: rund 510 Euro (auf 1.700 Euro Werbungskosten)

Netto-Bilanz:

  • Du zahlst: 999 Euro (Darlehensrückzahlung in Raten)
  • Du bekommst: 3.500 Euro Prämie + 510 Euro Steuerersparnis = 4.010 Euro
  • Netto-Gewinn: rund 3.010 Euro

Rechenbeispiel 2: Bayern

Gleiche Situation, aber Wohnsitz Bayern statt Hessen:

  • Kursgebühr: 3.997 Euro
  • AFBG-Zuschuss: 1.998,50 Euro
  • Rest-Darlehen: 999 Euro
  • Bayerischer Meisterbonus: 3.000 Euro
  • Steuerersparnis: 510 Euro

Netto-Bilanz:

  • Du zahlst: 999 Euro
  • Du bekommst: 3.000 Euro + 510 Euro = 3.510 Euro
  • Netto-Gewinn: rund 2.510 Euro

Rechenbeispiel 3: Nordrhein-Westfalen

Gleiche Situation, aber Wohnsitz NRW. Hier gibt es keine WFW-fähige Landesprämie:

  • Kursgebühr: 3.997 Euro
  • AFBG-Zuschuss: 1.998,50 Euro
  • Rest-Darlehen: 999 Euro
  • Landesprämie NRW für WFW: 0 Euro
  • Steuerersparnis: 510 Euro

Netto-Bilanz:

  • Du zahlst: 999 Euro
  • Du bekommst: 510 Euro Steuerersparnis
  • Netto-Kosten: rund 489 Euro

Auch in NRW ist der Eigenanteil mit rund 500 Euro noch überschaubar, aber deutlich höher als in Hessen oder Bayern.

Was ändert sich bei höherem Einkommen?

Bei 60.000 Euro Brutto (Grenzsteuersatz 42 Prozent) steigt die Steuerersparnis:

  • Werbungskosten: 1.700 Euro
  • Steuerersparnis bei 42 Prozent: rund 714 Euro

In Hessen wäre der Netto-Gewinn dann rund 3.215 Euro statt 3.010 Euro. In NRW sinken die Netto-Kosten von 489 auf 285 Euro. Die steuerliche Wirkung ist also deutlich.

Was ist mit dem Existenzgründer-Erlass?

Wenn du innerhalb von drei Jahren nach Bestehen ein Unternehmen gründest oder einen neuen Betriebszweig aufbaust und mindestens einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz schaffst (auch den eigenen), werden zusätzlich 40 Prozent des Rest-Darlehens erlassen.

Gerechnet auf das Beispiel Hessen:

  • Rest-Darlehen ohne Existenzgründer-Erlass: 999 Euro
  • Existenzgründer-Erlass: 999 × 0,40 = 400 Euro
  • Neuer Eigenanteil: 600 Euro
  • Netto-Gewinn in Hessen: 3.500 Prämie + 510 Steuer minus 600 = 3.410 Euro

Das ist für Selbstständige ein wesentlicher Extra-Betrag. Mehr dazu im Artikel AFBG für Selbstständige.

Drei Bundesländer im direkten Vergleich

BundeslandAFBG-EigenanteilLandesprämieSteuerersparnisNetto-Ergebnis
Hessen999 Euro3.500 Euro510 Euro+3.010 Euro
Bayern999 Euro3.000 Euro510 Euro+2.510 Euro
NRW999 Euro0 Euro510 Euro-489 Euro

In Hessen, Bayern, Thüringen, Saarland, Rheinland-Pfalz, Hamburg, Bremen, Sachsen-Anhalt macht der Wirtschaftsfachwirt rechnerisch einen Gewinn. In den anderen acht Bundesländern bleibt ein überschaubarer Eigenanteil von rund 500 Euro.

Was muss ich dafür tun?

Drei Schritte:

  1. AFBG-Antrag beim AFBG-Amt deines Bundeslandes stellen, am besten vor Kursbeginn. Bearbeitungszeit drei bis fünf Monate.
  2. Nach bestandener Prüfung: Landesprämien-Antrag bei der zuständigen Förderstelle deines Bundeslands (IHK, WI-Bank, ISB etc.). Antragsfrist typischerweise 12 Monate nach Prüfung.
  3. Steuererklärung mit Werbungskosten-Abzug. Im Jahr der Zahlung eintragen.

Details zu den drei Schritten findest du in den Artikeln Aufstiegs-BAföG beantragen und AFBG plus steuerliche Absetzung.

Diese Gesamtrechnung ist ein Überschlag auf Basis der gesetzlichen AFBG-Sätze und aktueller Landesprämien (Stand 2026). Die konkrete Höhe deines Anspruchs hängt von deinen individuellen Umständen ab. Die Steuerersparnis variiert mit deinem Grenzsteuersatz. Für eine rechtssichere Beurteilung wende dich an die zuständigen Stellen und an einen Steuerberater.

Häufige Fragen

Gilt die Gesamtrechnung auch für Industriefachwirt oder Handelsfachwirt?

Ja, im Grundsatz. Die Landesprämien gelten in den acht WFW-fähigen Ländern für alle DQR-6-Aufstiegsabschlüsse. Die AFBG-Struktur (50 Prozent Zuschuss, 50 Prozent Darlehen, 50 Prozent Erlass) ist identisch. Die Kursgebühren können variieren.

Wann wird die Landesprämie ausgezahlt?

In der Regel vier bis acht Wochen nach vollständigem Antrag. Plan mit rund zwei Monaten nach Antragsstellung.

Muss ich die Prämie versteuern?

Nein. Landesprämien sind in allen genannten Bundesländern steuerfrei nach § 3 EStG als Zweckzuweisung zur Weiterbildungsförderung.

Was, wenn ich mitten im Kurs umziehe?

Entscheidend ist dein Wohnsitz zum Zeitpunkt der bestandenen Prüfung. Wer die Prüfung in Hessen ablegt und danach nach Bremen zieht, bekommt die hessische Prämie.

Was passiert, wenn ich durchfalle?

Der AFBG-Zuschuss bleibt dir, der Darlehenserlass entfällt (komplette Rückzahlung der 1.998,50 Euro), und die Landesprämie wird erst nach Bestehen gezahlt. Im Nicht-Bestehen-Fall zahlst du also den vollen Darlehensanteil selbst, ohne Prämie.


Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer der SkillSprinters-Akademie, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger nach AZAV. Er ist promovierter Naturwissenschaftler und arbeitet seit über 10 Jahren in Bildung und Digitalisierung. In den Beratungsgesprächen ist diese Gesamtrechnung das stärkste Argument für den Wirtschaftsfachwirt, weil sie die oft unterschätzte Attraktivität der Kombination zeigt.

Mehr zum Autor unter /ueber-den-autor/. Zuletzt geprüft am 22. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.

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Wenn dein Ziel der Wirtschaftsfachwirt ist, kannst du parallel den WFW-Gehaltsrechner auf skill-sprinters.de durchrechnen und sehen, welche Gehaltssteigerung realistisch ist.

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