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Aufstiegs-BAföG-Rechner

Hessische Aufstiegsprämie 3.500 EUR plus AFBG: das Rechenbeispiel

· 7 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Notizblock mit Zahlenrechnung und Taschenrechner auf einem Holzschreibtisch

SkillSprinters führt den Wirtschaftsfachwirt (IHK) als berufsbegleitende Weiterbildung im Programm, die sich über 12 Monate erstreckt. Er ist eine Aufstiegsfortbildung und kommt damit für das Aufstiegs-BAföG in Frage. Was die Förderung im eigenen Fall ausmacht, lässt sich vorab durchrechnen.

Wer in Hessen wohnt und den Wirtschaftsfachwirt (IHK) mit Aufstiegs-BAföG macht, zahlt nach Bestehen nicht drauf, sondern bekommt unterm Strich rund 2.500 Euro netto ausgezahlt. Die Hessische Aufstiegsprämie in Höhe von 3.500 Euro wird zusätzlich zum AFBG gezahlt.

Das klingt nach einem Fehler, ist aber das Ergebnis von zwei übereinander liegenden Förderungen. AFBG reduziert den Eigenanteil von 3.997 Euro auf rund 999 Euro. Die hessische Landesprämie von 3.500 Euro kommt on top und übersteigt diesen Eigenanteil deutlich.

Was ist die Hessische Aufstiegsprämie?

Die Hessische Aufstiegsprämie ist eine Förderung des Landes Hessen für erfolgreich abgeschlossene Aufstiegsfortbildungen. Sie wurde zum 01.06.2024 eingeführt und hat die frühere Hessische Meisterprämie abgelöst. Gefördert werden Abschlüsse auf DQR-Niveau 6 oder höher nach bestandener Prüfung. Dazu zählen Wirtschaftsfachwirt, Industriefachwirt, Handelsfachwirt, Technischer Fachwirt, Bilanzbuchhalter, Personalfachkaufmann, Handwerksmeister und Staatlich geprüfte Techniker.

Der Zuschuss beträgt 3.500 Euro pro Person und Abschluss. Die Auszahlung erfolgt über die Begleitstelle, laut IHK Frankfurt am Main in der Regel zehn bis vierzehn Wochen nach Antragstellung.

Wer bekommt die hessische Prämie?

Voraussetzungen:

  • Hauptwohnsitz oder Arbeitsort in Hessen zum Zeitpunkt der Prüfungsanmeldung oder der Feststellung des Prüfungsergebnisses
  • Bestandener Abschluss auf DQR-Niveau 6 oder höher
  • Antrag innerhalb von drei Monaten ab dem Datum des Prüfungszeugnisses
  • Keine Einkommens- oder Altersgrenze

Der Wirtschaftsfachwirt (IHK) ist DQR-Niveau 6 und damit förderfähig. Der Kursanbieter ist egal, wichtig ist nur, dass die Prüfung vor der IHK erfolgreich abgelegt wurde.

Wie hoch ist der Netto-Gewinn mit AFBG plus Hessische Prämie?

Rechenbeispiel Wirtschaftsfachwirt (IHK), Kursgebühr 3.997 Euro (Stand 2026):

Schritt 1: Kursgebühr

  • 3.997 Euro

Schritt 2: AFBG (bundesweit)

  • Zuschuss (50 Prozent): 1.998,50 Euro direkt auf dein Konto
  • Darlehen (50 Prozent): 1.998,50 Euro KfW-Darlehen
  • Bei Bestehen: 50 Prozent des Darlehens erlassen = 999,25 Euro Erlass
  • Rest-Darlehen zurückzuzahlen: rund 999 Euro

Schritt 3: Hessische Aufstiegsprämie

  • Einmalzahlung 3.500 Euro nach bestandener Prüfung
  • Steuerlich: nicht belegt, Finanzamt fragen

Unterm Strich

  • Ausgaben: rund 999 Euro (Darlehensrückzahlung über Raten)
  • Einnahmen: 3.500 Euro hessische Prämie
  • Netto-Gewinn: rund 2.500 Euro

Zusätzlich ist der Darlehenseigenanteil (999 Euro) als Werbungskosten in der Steuererklärung absetzbar. Bei einem Grenzsteuersatz von 30 Prozent sparst du weitere rund 300 Euro Steuern. Gesamt-Gewinn also eher im Bereich von 2.800 Euro.

Wie beantrage ich die hessische Prämie konkret?

Der Antrag läuft über Begleitstellen des Landes, für IHK-Abschlüsse online beim Hessischen Industrie- und Handelskammertag (HIHK); die WIBank wickelt die Mittel nur im Hintergrund ab. Ablauf in vier Schritten:

  1. Nach bestandener Prüfung die IHK-Urkunde erhalten
  2. Antrag für IHK-Abschlüsse online beim Hessischen Industrie- und Handelskammertag (HIHK) ausfüllen
  3. Unterlagen beifügen: Kopie des Prüfungszeugnisses und Selbsterklärung zu Wohn- und Arbeitsort
  4. Antrag innerhalb von drei Monaten ab dem Datum des Prüfungszeugnisses stellen; es zählt der Eingang bei der Begleitstelle

Bearbeitungszeit: laut IHK Frankfurt am Main in der Regel zehn bis vierzehn Wochen nach Antragstellung. Die Auszahlung erfolgt direkt auf dein Konto.

Frist: drei Monate ab dem Datum des Prüfungszeugnisses. Verpasste Fristen führen zum Ausschluss.

Muss ich die Prämie versteuern?

Ob diese Prämie einkommensteuerpflichtig ist, haben wir für dieses Land nicht belegt, frag vorher dein Finanzamt. Beim Grundsicherungsgeld (früher Bürgergeld) und anderen Sozialleistungen kann sie als Einkommen angerechnet werden, hier bitte im Einzelfall prüfen.

Was ist mit dem Darlehensteil des AFBG?

Der Darlehensteil des AFBG (1.998,50 Euro beim Wirtschaftsfachwirt) wird nach Ende der Förderung über bis zu zehn Jahre an die KfW zurückgezahlt. Bei Bestehen reduziert sich das Darlehen um 50 Prozent auf rund 999 Euro. Die Raten sind planbar: Nach der Karenzzeit sieht das Gesetz monatlich grundsätzlich mindestens 128 Euro vor (§ 13 Abs. 5 AFBG), rund 999 Euro sind damit ohne Zinsen gerechnet in weniger als einem Jahr zurückgezahlt.

Wer die hessische Prämie bekommt, kann das Darlehen theoretisch direkt mit der Prämie tilgen. Praktisch ist das nicht immer sinnvoll, weil das Darlehen während der Fortbildung und der Karenzzeit zinsfrei ist. Du kannst die 3.500 Euro Prämie auch anderweitig verwenden und das Darlehen gemütlich in Raten abzahlen.

In meiner Beratungspraxis empfehle ich oft die einfache Lösung: Prämie auf die Seite legen, Darlehensraten laufen lassen, nach der Rückzahlungsphase bleibt die Prämie komplett als Gewinn.

Was passiert, wenn ich die Prüfung nicht bestehe?

Wenn du durchfällst, ändert sich die Rechnung in zwei Punkten:

  • AFBG: Der 50-Prozent-Darlehenserlass entfällt. Du zahlst das gesamte Darlehen (1.998,50 Euro) in Raten zurück. Der Zuschuss bleibt dir, er wird nicht zurückgefordert.
  • Hessische Prämie: Entfällt komplett, weil sie erst bei Bestehen ausgezahlt wird.

Neuer Eigenanteil ohne Bestehen: rund 2.000 Euro plus Kursgebühr, die du nicht nachholst. Beim zweiten Versuch derselben Prüfung gelten die üblichen IHK-Regeln. Wer zum zweiten Anlauf besteht, bekommt die Prämie ganz normal.

Wer kann die hessische Prämie NICHT bekommen?

  • Wer zum Zeitpunkt der bestandenen Prüfung nicht in Hessen wohnt
  • Wer einen Abschluss unterhalb DQR 6 erreicht hat (zum Beispiel reine Zertifikatskurse ohne öffentlich-rechtliche Anerkennung)
  • Wer die Frist von drei Monaten ab dem Zeugnisdatum verpasst
  • Wer die Prämie für denselben Abschluss bereits bekommen hat

Wer in Hessen nur einen Nebenwohnsitz hat, bekommt die Prämie nur, wenn der Hauptbeschäftigungsort in Hessen liegt. Entscheidend sind Hauptwohnsitz oder Hauptbeschäftigungsort.

Diese Berechnung ist ein Überschlag auf Basis der gesetzlichen AFBG-Sätze und der aktuellen Hessischen Aufstiegsprämie (Stand 2026). Die konkrete Höhe deines Anspruchs hängt von deinen individuellen Umständen ab und wird von den zuständigen Stellen (Amt für Ausbildungsförderung und Begleitstelle der Aufstiegsprämie) verbindlich festgelegt. Für eine rechtssichere Berechnung wende dich an die zuständige Stelle oder einen Steuerberater.

Häufige Fragen

Wann genau bekomme ich die Prämie ausgezahlt?

Laut IHK Frankfurt am Main in der Regel zehn bis vierzehn Wochen nach Antragstellung. In Einzelfällen kann es auch länger dauern, wenn Nachweise fehlen. Plane mit rund zwei Monaten nach Antragseingang.

Kann ich die Prämie auch bekommen, wenn ich nach der Prüfung umziehe?

Ja, entscheidend ist, dass dein Hauptwohnsitz oder Arbeitsort zum Zeitpunkt der Prüfungsanmeldung oder der Feststellung des Prüfungsergebnisses in Hessen lag. Wer die Prüfung in Hessen ablegt und danach umzieht, kann die Prämie trotzdem beantragen, solange die Frist von drei Monaten ab dem Zeugnisdatum eingehalten wird.

Geht die Prämie für jede Art der WFW-Prüfung?

Ja, solange es eine IHK-Prüfung nach § 53 BBiG ist. Der konkrete Anbieter oder die Kursform (online, Präsenz, berufsbegleitend, Vollzeit) spielt für die Hessische Aufstiegsprämie keine Rolle. Entscheidend ist der bestandene Abschluss und der Wohnsitz.

Kann ich die Prämie bekommen, wenn ich AFBG nicht in Anspruch genommen habe?

Ja. AFBG und Hessische Aufstiegsprämie sind zwei unabhängige Förderungen. Wenn du die Kursgebühr selbst oder über den Arbeitgeber gezahlt hast, bekommst du die Landesprämie trotzdem, wenn die Voraussetzungen stimmen.

Gibt es eine Obergrenze bei der Kombination?

Nein. Es gibt keine Obergrenze beim Addieren von AFBG und Landesprämie. Auch die Kombination mit dem Existenzgründer-Erlass (wenn du nach der Prüfung ein Unternehmen gründest) ist möglich.


Über den Autor

Dr. Jens Aichinger ist Gründer der SkillSprinters-Akademie, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger nach AZAV. Er ist promovierter Wirtschaftspädagoge und arbeitet seit über 10 Jahren in Bildung und Digitalisierung. Wer ihn im Beratungsgespräch fragt, bekommt konkrete Zahlen zur Prämien-Kombination statt allgemeiner Ratschläge.

Mehr zum Autor unter /ueber-den-autor/. Zuletzt geprüft am 22. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.

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