Existenzgründer-Erlass: Restdarlehen voll erlassen
Wer nach einer AFBG-geförderten Aufstiegsfortbildung die Prüfung besteht, innerhalb von drei Jahren nach Ende der Maßnahme ein Unternehmen gründet oder übernimmt und es mindestens drei Jahre im Haupterwerb führt, bekommt das restliche Darlehen für die Lehrgangs- und Prüfungsgebühren in voller Höhe erlassen (§ 13b Abs. 2 AFBG). Dieser Existenzgründer-Erlass kommt oben auf den normalen 50-Prozent-Erlass bei Bestehen und kann den Eigenanteil an den Kursgebühren auf null drücken.
Die Regel ist vor allem für Meister-Absolventen relevant, die typischerweise eigene Betriebe eröffnen. Bei kaufmännischen Fachwirten wird sie seltener genutzt, ist aber genauso zugänglich. Diese Seite erklärt, wer in den Erlass reinfällt und wie der Antrag läuft.
Wie hoch ist der Existenzgründer-Erlass?
Der Existenzgründer-Erlass umfasst das gesamte Restdarlehen für Lehrgangs- und Prüfungsgebühren, das nach dem normalen 50-Prozent-Erlass noch nicht fällig geworden ist. Er greift nur auf diesen Darlehensanteil, nicht auf den bereits erhaltenen Zuschuss und nicht auf Darlehen für den Lebensunterhalt oder das Meisterstück.
Rechenbeispiel Wirtschaftsfachwirt (3.997 Euro Kurskosten):
| Position | Betrag |
|---|---|
| Kursgebühr | 3.997 Euro |
| AFBG-Zuschuss | 1.998,50 Euro |
| Darlehen ursprünglich | 1.998,50 Euro |
| Minus Erlass bei Bestehen (50 Prozent) | 999,25 Euro |
| Restdarlehen vor Gründer-Erlass | 999,25 Euro |
| Minus Existenzgründer-Erlass (voller Rest) | 999,25 Euro |
| Rest nach beiden Erlassen | 0 Euro |
Der Eigenanteil an den Kursgebühren sinkt vom regulären 25-Prozent-Niveau auf null, solange bis dahin keine Raten fällig geworden sind. Bei Meistern mit höheren Kursgebühren ist der absolute Erlass entsprechend höher. Der Unterhaltsbeitrag ist in Vollzeit ohnehin ein voller Zuschuss (§ 12 Abs. 2 AFBG), ein Darlehen für den Lebensunterhalt gibt es nur in der Prüfungsvorbereitungsphase, und das wird nicht erlassen.
Rechenbeispiel Meister mit 7.500 Euro Kursgebühr nach Bestehens-Erlass:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Darlehen ursprünglich | 3.750 Euro |
| Minus Erlass bei Bestehen (50 Prozent) | 1.875 Euro |
| Restdarlehen Maßnahme | 1.875 Euro |
| Minus Existenzgründer-Erlass (voller Rest) | 1.875 Euro |
| Rest nach beiden Erlassen | 0 Euro |
Ein Meister-Absolvent, der gründet, spart also zusätzlich 1.875 Euro. Das ist mehr als viele Monatsraten.
Wer bekommt den Existenzgründer-Erlass?
Den Erlass bekommst du, wenn du die Fortbildungsprüfung bestanden hast, innerhalb von drei Jahren nach Ende der Maßnahme im Inland ein Unternehmen oder eine freiberufliche Existenz gründest oder übernimmst oder einen bestehenden Gewerbebetrieb erweiterst und dafür überwiegend die unternehmerische Verantwortung trägst. Außerdem musst du das Unternehmen mindestens drei Jahre als Haupterwerb führen (§ 13b Abs. 2 AFBG).
Als Gründung zählen laut KfW:
- Die Neugründung eines Gewerbes oder einer freiberuflichen Existenz
- Die Übernahme eines Unternehmens, zum Beispiel im Zuge der Nachfolge, und die Erweiterung eines bestehenden Gewerbebetriebs
- Die Beteiligung an einem Unternehmen, wenn du neben einer Kapitalbeteiligung eine uneingeschränkte Geschäftsführungsbefugnis hast
Entscheidend ist der Haupterwerb, nicht die Rechtsform und nicht die Zahl der Angestellten. Einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz verlangt § 13b Abs. 2 AFBG nicht. Die KfW will nach drei Jahren aber sehen, dass du keine wesentlichen Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit beziehst.
Drei Jahre ab wann?
Die Frist von drei Jahren beginnt mit dem Ende der Fortbildung, nicht mit dem Datum der Prüfung. Beim Wirtschaftsfachwirt wäre das Ende der Kurszeit relevant, typischerweise zwölf Monate nach Kursstart. Die Gründung muss dann innerhalb der folgenden 36 Monate stattfinden. Danach muss das Unternehmen mindestens drei Jahre im Haupterwerb laufen, erst dann wird erlassen.
| Ereignis | Frist |
|---|---|
| Kursende | Startdatum Drei-Jahres-Frist |
| 36 Monate später | Deadline für Gründung |
| Drei Jahre nach Gründung | Antrag auf Erlass bei der KfW |
In meiner Beratungspraxis sehe ich gelegentlich, dass Teilnehmer die Gründung direkt nach der Prüfung angehen, weil sie die Zeit bis zur Erlass-Entscheidung nicht verstreichen lassen wollen. Andere warten bewusst ein bis zwei Jahre, um Kapital zu sammeln und Marktstruktur zu studieren. Beides funktioniert, solange die Frist eingehalten wird.
Der Antrag: formlos, aber mit Nachweisen
Der Weg hat zwei Schritte, beide laufen über die KfW, die auch die normale Rückzahlung abwickelt und über Stundung und Erlass entscheidet (§ 13b Abs. 4 AFBG). Direkt nach der Gründung beantragst du formlos schriftlich die Stundung, damit der mögliche Erlassbetrag nicht durch die monatliche Tilgung schrumpft. Dazu gehören:
- Prüfungszeugnis in Kopie, falls du es nicht schon für den Erlass bei Bestehen eingereicht hast
- Bei Neugründung die Gewerbeanmeldung, bei freiberuflicher Tätigkeit die Anmeldung beim Finanzamt mit Steuernummer
- Bei Übernahme oder Erweiterung die Gewerbeanmeldung und Ummeldung
- Bei einer Gesellschaft Gesellschaftsvertrag und Geschäftsführervertrag
Nach drei Jahren im Haupterwerb stellst du den eigentlichen Erlassantrag mit dem KfW-Formular 600 000 4604 und legst deine aktuelle Betriebswirtschaftliche Auswertung, Einnahmen-Überschussrechnung oder Umsatzaufstellung bei. Eine Bearbeitungsdauer nennt die KfW nicht. Der erlassene Betrag wird grundsätzlich zum Quartalsende ausgebucht.
Erlassen wird nur, was bis dahin noch nicht fällig geworden ist, und Sondertilgungen vor der Bewilligung mindern den Erlass. Deshalb den Stundungsantrag direkt nach der Gründung stellen.
Voraussetzung Haupterwerb genauer
Ob du die Voraussetzungen erfüllst, prüft die KfW nach Ablauf der drei Jahre. Laut § 13b Abs. 2 AFBG und KfW zählt:
| Punkt | Was die KfW sehen will |
|---|---|
| Abschluss | Bestandene Fortbildungsprüfung, belegt durch das Prüfungszeugnis |
| Gründung | Neugründung, Übernahme oder Erweiterung im Inland, innerhalb von drei Jahren nach Ende der Maßnahme |
| Unternehmerische Verantwortung | Überwiegend bei dir, bei einer Beteiligung Kapitalanteil plus uneingeschränkte Geschäftsführungsbefugnis |
| Haupterwerb | Mindestens drei Jahre, keine wesentlichen Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit |
Nicht erlassen werden:
- Darlehen für den Lebensunterhalt
- Darlehen für die fachpraktische Arbeit, etwa das Meisterstück
- Raten, die vor der Bewilligung schon fällig geworden sind
- Beträge, die du vor der Bewilligung sondergetilgt hast
Wer neben der Gründung weiter angestellt arbeitet und daraus wesentliche Einkünfte bezieht, fällt aus dem Existenzgründer-Erlass heraus, weil der Haupterwerb fehlt. Das ist eine typische Stolperfalle. Allgemeine Infos zur Gründung, auch zur Sozialversicherung für Gründer.
Rechenbeispiel: Handwerksmeister gründet eigenen Betrieb
Ein 32-jähriger Handwerksmeister schließt die Vollzeit-Meisterschule ab (Kursgebühr 7.000 Euro, der Unterhaltsbeitrag kam als Zuschuss und muss nicht zurückgezahlt werden). Er gründet ein Jahr später einen eigenen Betrieb, wird in die Handwerksrolle eingetragen, beantragt sofort die Stundung und führt den Betrieb danach drei Jahre im Haupterwerb.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Darlehen ursprünglich | 3.500 Euro |
| Minus Erlass bei Bestehen (50 Prozent) | 1.750 Euro |
| Restdarlehen Maßnahme | 1.750 Euro |
| Minus Existenzgründer-Erlass (voller Rest) | 1.750 Euro |
| Rest nach Gründer-Erlass | 0 Euro |
Er spart 1.750 Euro zusätzlich zum normalen Bestehens-Erlass. Vom Darlehen für die Kursgebühren bleibt nichts zurückzuzahlen.
Das ist der Optimalfall, der in Meister-Kohorten immer wieder vorkommt. Die Regeln sind bewusst gründer-freundlich gestaltet, weil die AFBG-Logik Aufstieg plus wirtschaftliche Selbstständigkeit belohnen will.
Rechenbeispiel: Wirtschaftsfachwirt gründet online-basiertes Beratungsgeschäft
Eine 34-jährige Wirtschaftsfachwirtin gründet nach dem Abschluss eine Beratungspraxis als Selbstständige im Haupterwerb und beantragt direkt die Stundung.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Restdarlehen nach Bestehens-Erlass | 999 Euro |
| Minus Existenzgründer-Erlass (voller Rest) | 999 Euro |
| Rest nach beiden Erlassen | 0 Euro |
Eigenanteil am Darlehen also 0 Euro statt 999 Euro. Der Erlass setzt voraus, dass sie die Beratungspraxis drei Jahre als Haupterwerb führt. Wer nebenher wesentliche Einkünfte aus einer Anstellung bezieht, bekommt den Erlass nicht, und die gestundeten Raten samt Zinsen werden fällig (§ 13b Abs. 2 AFBG).
Gesellschafter und GmbH-Gründung
Wer eine GmbH oder UG gründet, hat besondere Konstellationen. Entscheidend ist, dass du überwiegend die unternehmerische Verantwortung trägst. Laut KfW ist das in der Regel gegeben, wenn du am Unternehmen beteiligt bist und eine uneingeschränkte Geschäftsführungsbefugnis hast. Die Beteiligung muss dafür nicht 50 Prozent oder mehr betragen.
Als Nachweis verlangt die KfW bei Kapital- und Personengesellschaften den Gesellschaftsvertrag und den Geschäftsführervertrag. Ob die Voraussetzungen erfüllt sind, prüft die KfW im Einzelfall.
Bei Personengesellschaften (OHG, GbR) gilt dasselbe Kriterium wie bei der GmbH: Du musst überwiegend die unternehmerische Verantwortung tragen und das Unternehmen im Haupterwerb führen. Die Voraussetzung für den Erlass wird einzelfallbezogen geprüft.
Nachweis-Unterlagen zum Antrag
| Unterlage | Wann nötig |
|---|---|
| Gewerbeanmeldung | Bei Neugründung eines Gewerbes |
| Gewerbe-Ummeldung | Bei Übernahme oder Erweiterung |
| Anmeldung beim Finanzamt mit Steuernummer | Bei freiberuflicher Tätigkeit |
| Zulassungsbescheid | Bei einem Pflegedienst |
| Gesellschaftsvertrag und Geschäftsführervertrag | Bei Kapital- oder Personengesellschaft |
| Prüfungszeugnis in Kopie | Wenn noch nicht für den Erlass bei Bestehen eingereicht |
| Formular 600 000 4604 plus BWA, EÜR oder Umsatzaufstellung | Nach drei Jahren für den Erlass |
Wer die Selbstständigkeit nur nebenbei betreibt und wesentliche Einkünfte aus einer Anstellung bezieht, kann den Existenzgründer-Erlass nicht beanspruchen. Das ist dann der reguläre Fall mit 50-Prozent-Erlass bei Bestehen.
Existenzgründung und Förderungen kombinieren
Wer nach der Aufstiegsfortbildung gründet, kann typischerweise mit mehreren Förderwegen arbeiten:
- Gründungszuschuss vom Arbeitsamt (bei vorhergehender Arbeitslosigkeit)
- Landesförderprogramme für Gründer (je nach Bundesland)
- KfW-Gründerkredit (StartGeld bis 200.000 Euro)
- Meistergründungsprämie in einigen Bundesländern (zum Beispiel Schleswig-Holstein 7.500 Euro)
Der AFBG-Existenzgründer-Erlass läuft parallel und wird von diesen anderen Förderungen nicht beeinflusst. Er ist eine eigenständige Regel, die nur auf das AFBG-Darlehen für Lehrgangs- und Prüfungsgebühren wirkt. Details zum Bundesländer-Bonus.
In meinen Beratungsgesprächen höre ich oft, dass Gründer den AFBG-Erlass vergessen, weil sie mit Gründungszuschuss und Kreditverhandlungen beschäftigt sind. Ein schriftlicher Erinnerungsposten im Kalender direkt nach Gewerbeanmeldung lohnt sich.
Was wenn ich innerhalb der drei Jahre wieder aufgebe?
Die Regel verlangt, dass du das Unternehmen mindestens drei Jahre als Haupterwerb führst (§ 13b Abs. 2 Nr. 2 AFBG). Wer nur einen Tag anmeldet und direkt wieder schließt, erfüllt die Voraussetzung nicht. Die KfW prüft das nach Ablauf der drei Jahre, wenn du den Erlass beantragst.
Gibst du vor Ablauf der drei Jahre auf, gibt es keinen Erlass, und die gestundeten Raten samt der darauf angefallenen Zinsen musst du zurückzahlen (§ 13b Abs. 2 AFBG).
Diese Rechnung ist ein Überschlag auf Basis der gesetzlichen AFBG-Sätze (Stand 2026). Die konkrete Prüfung deines Existenzgründer-Erlasses erfolgt durch die KfW-Servicestelle im Einzelfall. Für eine rechtssichere Beratung wende dich an die zuständige Stelle oder einen Steuerberater.
Häufige Fragen zum Existenzgründer-Erlass
Reicht ein Minijob als Angestellter? Angestellte brauchst du für den Erlass gar nicht. § 13b Abs. 2 AFBG verlangt keinen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz, sondern Gründung, überwiegende unternehmerische Verantwortung und drei Jahre Haupterwerb.
Kann ich das Unternehmen gemeinsam mit meinem Ehepartner führen? Ja, wenn du überwiegend die unternehmerische Verantwortung trägst. Bei einer Beteiligung genügt laut KfW in der Regel ein Kapitalanteil plus uneingeschränkte Geschäftsführungsbefugnis. Die KfW prüft das im Einzelfall.
Gilt der Erlass auch bei Teilzeit-Selbstständigkeit? Nur, wenn die Selbstständigkeit dein Haupterwerb ist. Wer daneben wesentliche Einkünfte aus einer Anstellung bezieht, erfüllt die Voraussetzung laut KfW nicht.
Was ist mit freiwilligen Beiträgen zur Rentenversicherung? Für den Erlass nach § 13b Abs. 2 AFBG sind sie keine Voraussetzung. Es zählen Gründung, unternehmerische Verantwortung und Haupterwerb.
Kann ich den Erlass zurückziehen und später wieder beantragen? Nein. Der Erlass wird einmal bewilligt und bleibt bestehen. Wer beim ersten Antrag abgelehnt wird, kann später neu beantragen, wenn sich die Voraussetzungen ändern.
Gilt der Erlass auch bei Betriebsübernahme (Nachfolge)? Ja. Die Übernahme eines Unternehmens, etwa im Zuge der Nachfolge, zählt nach § 13b Abs. 2 AFBG wie eine Gründung. Auch hier gilt: überwiegende unternehmerische Verantwortung und drei Jahre Haupterwerb.
Rechne deinen Gründer-Erlass durch
Im AFBG-Rechner kannst du den Eigenanteil mit und ohne Gründer-Erlass simulieren. Die gesetzliche Grundlage steht in § 13b AFBG und im offiziellen AFBG-Portal.
Bereit für den nächsten Schritt?
Du planst nach der Fortbildung zu gründen? Buch dir ein kostenloses Beratungsgespräch, rund 15 Minuten am Telefon. Wir gehen deinen Fall durch und klären, wie du den Existenzgründer-Erlass mit anderen Gründungsförderungen kombinieren kannst.
Nächster Schritt: deine Zahlen kennen
Der Aufstiegs-BAföG-Rechner zeigt dir in 60 Sekunden, was dir nach allen Zuschüssen und Erlassen bleibt. Trag deine Kurskosten und dein Bundesland ein, die Rechnung erscheint direkt.
Wenn dein Ziel der Wirtschaftsfachwirt ist, kannst du parallel den WFW-Gehaltsrechner auf skill-sprinters.de durchrechnen und sehen, welche Gehaltssteigerung realistisch ist.
Weiterlesen
AFBG-Darlehen bei Arbeitslosigkeit: was jetzt
AFBG-Darlehen bei Arbeitslosigkeit: Freistellung nach § 13a AFBG möglich, längstens fünf Jahre, Pfändungsschutz beachten. Was Arbeitslosengeld I und Bürgergeld bedeuten.
8 Min. Lesezeit
AFBG mit Ehepartner: Anrechnung des Partner-Einkommens
AFBG mit Ehepartner: 1.690 Euro Freibetrag plus Kinderfreibeträge. Wie Partner-Einkommen den Unterhaltsbeitrag mindert. Maßnahmebeitrag bleibt unberührt.
9 Min. Lesezeit
AFBG-Rechner: wieviel bekomme ich für den Meister?
AFBG beim Meister: 50 Prozent Zuschuss, 50 Prozent Darlehen, 50 Prozent Erlass plus Unterhaltsbeitrag bei Vollzeit. Rechenbeispiele für 7.500 Euro Kurskosten.
9 Min. Lesezeit