Familienzuschlag: wann dein Partner mitgerechnet wird
Beim AFBG erhöht sich dein Unterhaltsbedarf um 235 Euro im Monat, wenn du verheiratet bist oder in eingetragener Lebenspartnerschaft lebst. Im Gegenzug wird das Einkommen deines Ehepartners angerechnet, soweit es den Freibetrag von 1.690 Euro übersteigt, und auch dann nur zur Hälfte oder weniger. Unverheiratete Lebenspartner werden nicht mitgerechnet, auch nicht in eheähnlicher Gemeinschaft. Relevant ist das nur beim Unterhaltsbeitrag (Vollzeit), nicht beim Maßnahmebeitrag.
Wer berufsbegleitend lernt, muss sich um die Partner-Frage nicht kümmern. Kursgebühren werden einkommensunabhängig bewilligt, egal was der Partner verdient. Diese Seite zeigt, wann und wie der Partner in die Rechnung kommt, welche Freibeträge gelten und wie die Praxis bei Trennung, Scheidung und eingetragener Lebenspartnerschaft aussieht.
Wann zählt mein Partner beim AFBG?
Nur beim Unterhaltsbeitrag. Der Unterhaltsbeitrag gilt nur bei Vollzeit-Fortbildungen, bei denen du während des Kurses nicht (oder nur reduziert) arbeitest. Beim Maßnahmebeitrag (Kurs- und Prüfungsgebühren) spielt der Partner keine Rolle, egal wie viel er verdient oder welches Vermögen er hat.
Der Partner zählt, wenn er:
- mit dir verheiratet ist (Ehe)
- mit dir in eingetragener Lebenspartnerschaft lebt
Der Partner zählt nicht, wenn:
- du nur mit ihm zusammenlebst ohne Trauung oder Eintragung
- ihr rechtskräftig geschieden seid
- ihr dauerhaft getrennt lebt (§ 17 Abs. 2 AFBG)
Das ist ein bewusster Unterschied zum SGB II, wo Bedarfsgemeinschaften breiter definiert sind. Beim AFBG gilt das formal-rechtliche Partnerschaftsverständnis.
Wie hoch ist der Partner-Freibetrag?
Vom Einkommen deines Ehepartners bleiben 1.690 Euro im Monat anrechnungsfrei, für jedes Kind weitere 770 Euro (§ 25 Abs. 1 Nr. 2 und Abs. 3 Nr. 2 BAföG, über § 10 Abs. 2 AFBG). Vom Betrag darüber bleiben noch einmal 50 Prozent frei, plus 5 Prozent je Kind (§ 25 Abs. 4 BAföG).
| Position | Betrag 2026 |
|---|---|
| Erhöhung des Bedarfs für den Ehepartner | 235 Euro pro Monat |
| Erhöhung des Bedarfs je Kind | 235 Euro pro Monat |
| Freibetrag vom Einkommen des Ehepartners | 1.690 Euro pro Monat |
| Zusätzlicher Freibetrag je Kind | 770 Euro pro Monat |
| Vom Rest anrechnungsfrei | 50 Prozent plus 5 Prozent je Kind |
| Vermögensfreibetrag für den Ehepartner | 2.300 Euro (auf dein eigenes Vermögen) |
| Sozialpauschale für Arbeitnehmer | 22,3 Prozent, höchstens 17.200 Euro im Jahr |
Was du als „Familienzuschlag“ tatsächlich bekommst, ist die Erhöhung um 235 Euro für den Ehepartner und 235 Euro je Kind. Die 1.690 Euro sind dagegen kein Zuschlag, sondern der Teil des Partner-Einkommens, der vor der Anrechnung außen vor bleibt. Diese Unterscheidung verwirrt im Antragsformular oft.
Wie wird Partner-Einkommen angerechnet?
Das Amt rechnet das Partner-Einkommen in mehreren Schritten herunter, bevor es auf deinen Unterhaltsbedarf angerechnet wird (§ 10 Abs. 2 Satz 4 AFBG mit §§ 21, 24 und 25 BAföG).
| Schritt | Was passiert |
|---|---|
| Ausgangspunkt | Bruttoeinkommen des Partners im vorletzten Kalenderjahr, monatlich ein Zwölftel |
| Minus Werbungskosten (mindestens 1.230 Euro pro Jahr) | positive Einkünfte |
| Minus Einkommensteuer, Kirchensteuer, Solidaritätszuschlag | |
| Minus Sozialpauschale (22,3 Prozent der Einkünfte bei Arbeitnehmern) | Einkommen nach § 21 BAföG |
| Minus Freibetrag Partner (1.690 Euro) und 770 Euro je Kind | Überhang |
| Minus 50 Prozent plus 5 Prozent je Kind vom Überhang | Anrechnungsbetrag |
Der Anrechnungsbetrag mindert deinen gesamten Unterhaltsbedarf. Bei kleinen und mittleren Partner-Einkommen bleibt oft gar nichts zur Anrechnung übrig, mit Kindern erst recht. Der Maßnahmebeitrag bleibt in jedem Fall unberührt.
Rechenbeispiel: Verheiratet ohne Kinder, Partner verdient 3.500 Euro brutto
Eine 30-jährige Meisterschülerin, verheiratet, keine Kinder, Vollzeit-Meisterschule. Ihr Partner hatte im vorletzten Kalenderjahr 3.500 Euro brutto im Monat. An Lohnsteuer und Solidaritätszuschlag nehmen wir 480 Euro im Monat an, den genauen Wert liefert die Lohnsteuerbescheinigung.
| Schritt | Wert |
|---|---|
| Partner-Einkommen brutto | 3.500 Euro |
| Minus Werbungskostenpauschale (1.230 Euro ÷ 12) | 3.397,50 Euro |
| Minus Sozialpauschale 22,3 Prozent (757,64 Euro) | 2.639,86 Euro |
| Minus Steuern (angenommen) | 2.159,86 Euro |
| Minus Freibetrag Partner | 469,86 Euro |
| Davon 50 Prozent anrechnungsfrei | 234,93 Euro |
| Anrechnung auf den Unterhaltsbedarf | 234,93 Euro |
Ihr Bedarf liegt bei 1.019 Euro (Grundbedarf mit Kranken- und Pflegeversicherungszuschlag) plus 235 Euro Erhöhung für den Ehepartner, zusammen 1.254 Euro. Minus 234,93 Euro Anrechnung bleibt ein Unterhaltsbeitrag von 1.019,07 Euro im Monat, vollständig als Zuschuss (§ 12 Abs. 2 AFBG). Der Maßnahmebeitrag für die Kurskosten wird davon nicht berührt.
Das ist das typische Muster bei verheirateten Antragstellern ohne Kind und mit mittlerem Partner-Einkommen: Der Unterhaltsbeitrag sinkt, verschwindet aber nicht, und die Kurskostenförderung bleibt voll erhalten. Details zur Anrechnung bei Ehepartnern.
Rechenbeispiel: Verheiratet mit zwei Kindern, Partner verdient 3.500 Euro brutto
Gleiche Situation, aber diesmal mit zwei Kindern (5 und 9 Jahre alt).
| Schritt | Wert |
|---|---|
| Einkommen des Partners nach § 21 BAföG | 2.159,86 Euro |
| Freibetrag Partner | 1.690 Euro |
| Plus 2 × 770 Euro je Kind | 1.540 Euro |
| Überhang | 0 Euro |
Mit zwei Kindern liegt der Freibetrag bei 3.230 Euro, angerechnet wird nichts. Sie bekommt den vollen Bedarf: 1.019 Euro Grundbedarf mit Versicherungszuschlägen, 235 Euro für den Ehepartner und 470 Euro für die Kinder (2 × 235). Summe 1.724 Euro Unterhaltsbeitrag pro Monat, obwohl ihr Partner 3.500 Euro brutto verdient. Einen Kinderbetreuungszuschlag gibt es hier nicht, der steht nur Alleinerziehenden zu (§ 10 Abs. 3 AFBG).
Das ist der Kern der Partner-Regel: Je mehr Kinder, desto mehr Freibetrag, desto weniger Partner-Anrechnung. Eine verheiratete Antragstellerin mit drei Kindern und einem mittelverdienenden Partner bekommt praktisch immer den vollen Unterhaltsbeitrag.
Eheähnliche Gemeinschaft: Partner zählt nicht
Wer mit seinem Partner zusammenlebt ohne Trauung oder eingetragene Partnerschaft, muss das Partner-Einkommen nicht angeben. Das AFBG wertet das als eigenständige Einzelveranlagung. Selbst wenn ihr einen gemeinsamen Mietvertrag habt und seit zehn Jahren zusammenwohnt, bleibt das Partner-Einkommen außen vor.
Das ist ein bedeutender Unterschied zum Grundsicherungsgeld (früher Bürgergeld) (SGB II), wo die Bedarfsgemeinschaft automatisch greift. Beim AFBG zählt die Ehe- oder Lebenspartnerschaft-Urkunde.
Das führt in der Praxis gelegentlich zu Rechenvorteilen für unverheiratete Paare. In meinen Beratungsgesprächen höre ich gelegentlich von Paaren, die wegen AFBG überlegen, die Hochzeit zu verschieben. Das ist legitim, aber rechnerisch selten entscheidend: der Maßnahmebeitrag ist sowieso unabhängig, und beim Unterhaltsbeitrag gleichen sich die Effekte oft aus.
Partner in Trennung oder Scheidung
Angerechnet wird nur das Einkommen eines Ehepartners, von dem du nicht dauerhaft getrennt lebst (§ 17 Abs. 2 AFBG). Lebt ihr dauerhaft getrennt, zählt nur noch dein eigenes Einkommen, auch wenn die Scheidung noch nicht durch ist. Die Trennung musst du dem Amt nachweisen.
Wichtig ist die gemeinsame Steuerklasse als Indiz: Wer weiter in Steuerklasse III/V veranlagt ist, gilt formal nicht als getrennt lebend. Vor dem AFBG-Antrag sollte die Steuerklasse entsprechend angepasst werden. Mehr dazu in AFBG im Trennungsjahr.
Wer selbst Unterhalt zahlt an einen getrennt lebenden Partner oder Kinder, kann diese Zahlungen als Abzugsposten im AFBG-Antrag geltend machen. Sie werden vom anrechenbaren eigenen Einkommen abgezogen.
Partner mit Kinderbetreuung: Effekt auf die Rechnung
Wenn dein Partner wegen Kinderbetreuung in Teilzeit arbeitet oder gar nicht arbeitet, ist der Freibetrag oft höher als sein Einkommen. Dann entfällt die Anrechnung komplett.
Beispiel: Partner arbeitet in Teilzeit 20 Stunden, verdient 1.200 Euro netto. Das Einkommen nach § 21 BAföG liegt in der Größenordnung des Nettos. Schon der Freibetrag von 1.690 Euro übersteigt das, mit einem Kind sind es 2.460 Euro. Keine Anrechnung, du bekommst den vollen Unterhaltsbeitrag.
Das ist der Regelfall bei jungen Familien, wo ein Elternteil wegen Kinderbetreuung weniger arbeitet. Die Rechnung fällt dann meist klar zugunsten des AFBG-Beantragenden aus.
Rechenbeispiel: Eingetragene Lebenspartnerschaft
Die eingetragene Lebenspartnerschaft ist beim AFBG gleichgestellt mit der Ehe. Seit dem Öffnen der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare 2017 werden kaum noch neue Lebenspartnerschaften eingetragen, bestehende bleiben aber rechtlich bestehen.
Für die AFBG-Rechnung heißt das: Wer in eingetragener Lebenspartnerschaft lebt, bekommt die Erhöhung von 235 Euro, den Freibetrag von 1.690 Euro vom Partner-Einkommen und muss das Partner-Einkommen angeben. Die Rechnung verläuft identisch zur Ehe.
Diese Rechnung ist ein Überschlag auf Basis der gesetzlichen AFBG-Sätze (Stand 2026). Die konkrete Anrechnung des Partner-Einkommens hängt von der Einzelfallprüfung des zuständigen AFBG-Amts ab. Für eine rechtssichere Berechnung wende dich an die zuständige Stelle oder einen Steuerberater.
Häufige Fragen zum Familienzuschlag
Bekomme ich den Familienzuschlag als Zuschuss oder Darlehen? Die Erhöhung von 235 Euro für den Ehepartner ist Teil des Unterhaltsbeitrags und damit vollständig Zuschuss (§ 12 Abs. 2 AFBG). Der Freibetrag von 1.690 Euro ist keine Zahlung, sondern schützt deinen Unterhaltsbeitrag vor Kürzung durch das Partner-Einkommen.
Gilt der Familienzuschlag auch beim Maßnahmebeitrag? Nein. Kurs- und Prüfungsgebühren werden einkommens- und partnerunabhängig bewilligt.
Was ist mit Selbstständigen-Partnern? Auch bei selbstständigen Partnern zählt das vorletzte Kalenderjahr vor Beginn des Bewilligungszeitraums, Grundlage ist der Einkommensteuerbescheid für dieses Jahr (§ 24 Abs. 1 BAföG). Statt 22,3 Prozent zieht das Amt bei Selbstständigen in der Regel eine Sozialpauschale von 38,8 Prozent ab, höchstens 29.500 Euro im Jahr (§ 21 Abs. 2 BAföG).
Zählt der Partner auch, wenn er in Elternzeit ist und Elterngeld bekommt? Elterngeld gilt als Einkommen, aber nur oberhalb des Sockelbetrags von 300 Euro. Wenn der Partner in Elternzeit ist und nur den Sockel bekommt, wird fast nichts angerechnet.
Ist der Freibetrag je nach Bundesland unterschiedlich? Nein. Das AFBG ist Bundesrecht. Die Freibeträge gelten bundesweit gleich.
Was passiert, wenn wir während der Fortbildung heiraten? Dann greift die Anrechnung ab dem Monat der Heirat. Vorherige Monate bleiben außen vor.
Rechne deinen Partner-Fall durch
Im AFBG-Rechner gibst du Familienstand, Partner-Einkommen und Kinder ein. Der Rechner zeigt, wie stark die Partner-Anrechnung wirkt. Die gesetzlichen Regeln stehen in § 17 AFBG und in der Infoseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.
Bereit für den nächsten Schritt?
Du bist verheiratet und unsicher, wie sich das Partner-Einkommen auf deine AFBG-Rechnung auswirkt? Buch dir ein kostenloses Beratungsgespräch, rund 15 Minuten am Telefon. Wir rechnen deinen konkreten Fall durch.
Nächster Schritt: deine Zahlen kennen
Der Aufstiegs-BAföG-Rechner zeigt dir in 60 Sekunden, was dir nach allen Zuschüssen und Erlassen bleibt. Trag deine Kurskosten und dein Bundesland ein, die Rechnung erscheint direkt.
Wenn dein Ziel der Wirtschaftsfachwirt ist, kannst du parallel den WFW-Gehaltsrechner auf skill-sprinters.de durchrechnen und sehen, welche Gehaltssteigerung realistisch ist.
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