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Aufstiegs-BAföG-Rechner

Unterhaltsbeitrag berechnen: ein Beispiel für einen Alleinstehenden

· 8 Min. Lesezeit · Dr. Jens Aichinger
Aufgeschlagenes Notizbuch mit monatlicher Kostenaufstellung, daneben ein leerer Kaffeebecher

Ein alleinstehender Meisterschüler in Vollzeit bekommt 2026 einen Unterhaltsbeitrag von rund 892 Euro pro Monat plus Krankenversicherungszuschlag. Die Hälfte davon ist Zuschuss, die Hälfte zinsloses KfW-Darlehen, bei Bestehen werden 50 Prozent des Darlehens erlassen. Bei zwölf Monaten Kursdauer kommen so rund 10.700 Euro zusammen, von denen nach allen Erlassen etwa 2.700 Euro zurückgezahlt werden müssen.

Der Unterhaltsbeitrag greift nur bei Vollzeit-Fortbildungen. Wer berufsbegleitend den Wirtschaftsfachwirt macht, bekommt keinen Unterhaltsbeitrag, weil er weiter arbeitet. Diese Seite rechnet den klassischen Fall eines Alleinstehenden durch, mit allen Zuschlägen, Abzügen und dem tatsächlichen Nettoergebnis am Ende.

Wer bekommt den Unterhaltsbeitrag?

Der Unterhaltsbeitrag gilt ausschließlich bei Vollzeit-Aufstiegsfortbildungen, bei denen du während des Kurses nicht mehr regulär arbeitest. Typische Fälle: Vollzeit-Meisterschule, Techniker-Ausbildung in Vollzeit, Fachwirt-Lehrgang in Vollzeit.

Beim berufsbegleitenden Wirtschaftsfachwirt (Dienstag und Donnerstag abends, 18 bis 21 Uhr) bleibt dein normaler Job bestehen, dein Einkommen bleibt. Der Unterhaltsbeitrag entfällt. Du bekommst nur den Maßnahmebeitrag für die Kurs- und Prüfungsgebühren.

Die Abgrenzung im AFBG: Vollzeit bedeutet mehr als 25 Stunden Präsenzunterricht pro Woche. Alles darunter gilt als Teilzeit und berechtigt nicht zum Unterhaltsbeitrag. Details im Artikel zu AFBG für Vollzeit-Fortbildungen.

Wie setzt sich der Unterhaltsbeitrag zusammen?

Der Unterhaltsbeitrag hat mehrere Bausteine, die einzeln berechnet und addiert werden. Die wichtigsten 2026:

BausteinMonatlich
Grundbedarf Alleinstehend892 Euro
Krankenversicherungszuschlag (gesetzlich)155 Euro
Pflegeversicherungszuschlag34 Euro
Zuschlag für Unterkunft (begrenzt)nach Bedarf

Beim klassischen Fall ohne Partner, ohne Kinder, ohne Sonderlasten sind das rund 1.080 Euro pro Monat Unterhaltsbeitrag. Die Beträge gelten für 2026, die Krankenversicherungszuschläge orientieren sich am durchschnittlichen Beitragssatz der gesetzlichen Krankenkassen.

Zuschuss-Darlehen-Aufteilung beim Unterhaltsbeitrag

Anders als der Maßnahmebeitrag, der komplett zu 50/50 aufgeteilt wird, gibt es beim Unterhaltsbeitrag einige Zuschuss-Komponenten zu 100 Prozent. Der Grundbedarf selbst läuft aber weiter nach der 50/50-Regel mit 50-Prozent-Erlass bei Bestehen.

BausteinZuschuss-AnteilDarlehen-Anteil
Grundbedarf50 Prozent50 Prozent (50 Prozent Erlass bei Bestehen)
Krankenversicherungszuschlag100 Prozent0 Prozent
Pflegeversicherungszuschlag100 Prozent0 Prozent
Kinderzuschlag100 Prozent0 Prozent
Kinderbetreuungszuschuss100 Prozent0 Prozent

Das heißt: die KV- und PV-Zuschläge sind komplett geschenkt, der Grundbedarf wird geteilt. Das macht den Unterhaltsbeitrag attraktiver als er auf den ersten Blick wirkt.

Rechenbeispiel: Alleinstehend, keine Kinder, Vollzeit-Meister

Ein 29-jähriger Handwerksgeselle, ledig, keine Kinder, macht eine zwölfmonatige Vollzeit-Meisterschule. Vor Kursbeginn hat er 2.400 Euro netto verdient. Während des Kurses arbeitet er nicht. Vermögen: 5.000 Euro Erspartes (unter Freibetrag).

Schritt 1: Monatlicher Unterhaltsbeitrag

PositionMonatlich
Grundbedarf Alleinstehend892 Euro
KV-Zuschlag155 Euro
PV-Zuschlag34 Euro
Summe Unterhaltsbeitrag1.081 Euro

Schritt 2: Einkommensanrechnung

Während der Kurszeit arbeitet er nicht, also 0 Euro Einkommen. Keine Anrechnung, keine Kürzung. Das vor dem Kurs bezogene Gehalt zählt nicht, weil die Einkommensanrechnung nur das Einkommen während der Bewilligungsdauer betrifft.

Schritt 3: Vermögensanrechnung

5.000 Euro Vermögen, Freibetrag 45.000 Euro. Keine Anrechnung.

Schritt 4: Zuschuss-Darlehen-Aufteilung

BausteinMonat12 MonateZuschussDarlehen
Grundbedarf892 Euro10.704 Euro5.352 Euro5.352 Euro
KV155 Euro1.860 Euro1.860 Euro0 Euro
PV34 Euro408 Euro408 Euro0 Euro
Summe1.081 Euro12.972 Euro7.620 Euro5.352 Euro

Schritt 5: Erlass bei Bestehen

Vom Darlehensanteil 5.352 Euro werden bei Bestehen 50 Prozent erlassen: 2.676 Euro.

Schritt 6: Rückzahlung

Er muss rund 2.676 Euro des Darlehens zurückzahlen, verteilt auf Raten ab sechs Jahre nach Kursende. Keine Zinsen während der Förderung.

Schritt 7: Zusätzlich Maßnahmebeitrag

Der Meisterkurs kostet 7.500 Euro. Er bekommt 3.750 Euro Zuschuss und 3.750 Euro Darlehen. Bei Bestehen 1.875 Euro Erlass. Rückzahlbar: 1.875 Euro.

Schritt 8: Gesamtrechnung

PositionBetrag
Unterhaltsbeitrag Zuschuss7.620 Euro
Maßnahmebeitrag Zuschuss3.750 Euro
Summe Zuschuss (geschenkt)11.370 Euro
Rückzahlbares Darlehen gesamt4.551 Euro

Er bekommt also 11.370 Euro Zuschuss und 4.551 Euro zinsloses Darlehen, das er ab sechs Jahre nach Kursende in Raten zurückzahlt. Bei einem bayerischen Meisterbonus von 3.000 Euro wird der Eigenanteil noch einmal praktisch halbiert.

In meinen Beratungsgesprächen rechne ich diese Situation immer wieder durch. Viele Interessenten überschätzen die Kosten und wissen nicht, wie günstig der Weg über Aufstiegs-BAföG tatsächlich ist, wenn sie in Vollzeit lernen.

Rechenbeispiel mit Nebenjob während der Fortbildung

Gleicher Teilnehmer, aber er arbeitet während der Meisterschule an zwei Tagen pro Woche in Teilzeit, 650 Euro netto pro Monat.

SchrittWert
Brutto-Einkommen monatlichrund 800 Euro
Minus Werbungskostenpauschale anteilig700 Euro
Minus Sozialpauschale 25 Prozent525 Euro
Anrechnungsfähig525 Euro
Abzüglich Grundfreibetrag 520 Euro5 Euro
Anrechnung auf Unterhaltsbeitrag5 Euro

Die Anrechnung ist minimal. Sein Unterhaltsbeitrag sinkt von 1.081 auf 1.076 Euro. Der Nebenjob lohnt sich, solange er unter der Sozialversicherungsschwelle bleibt und sein Einkommen nach Abzug von Werbungskosten und Sozialpauschale unter dem Grundfreibetrag von 520 Euro bleibt.

Wer dagegen während der Fortbildung einen 1.500-Euro-Job hat, bekommt eine spürbare Kürzung des Unterhaltsbeitrags. Die genaue Berechnung findet das AFBG-Amt in der Bewilligungspraxis. Mehr zu Einkommensfreibeträgen.

Was bleibt für die Lebenshaltung?

Der Unterhaltsbeitrag von 1.081 Euro pro Monat ist zum Leben gedacht: Miete, Strom, Essen, Versicherungen, Mobilität. In mittleren und kleineren Städten reicht das für ein sehr einfaches Alleinlebenden-Budget. In Großstädten wie München, Hamburg oder Frankfurt wird es knapp, vor allem bei höheren Mieten.

Typische Budget-Struktur eines Alleinstehenden auf AFBG-Unterhaltsbeitrag:

PositionMonatlich (Durchschnitt)
Miete inkl. Nebenkosten450-600 Euro
Strom, Internet80 Euro
Lebensmittel250 Euro
Mobilität (ÖPNV oder Auto-Anteil)70-150 Euro
Versicherungen, sonstige Fixkosten80-100 Euro
Freizeit/Puffer100-150 Euro
Summerund 1.030-1.330 Euro

Wer in teureren Städten lebt, muss Rücklagen mitbringen oder einen geringen Nebenjob parallel betreiben. Die pauschale Annahme “AFBG reicht für alles” stimmt nur in mittelpreisigen Wohnlagen.

Können Wohnkosten zusätzlich gefördert werden?

Das AFBG hat einen begrenzten Wohnkosten-Zuschlag für den Fall, dass du für die Fortbildung eine Zweitwohnung am Kursort brauchst (doppelte Haushaltsführung). Pauschaler Wohnkosten-Zuschlag wie beim BAföG-Student gibt es nicht. Die Miete deiner Hauptwohnung wird nicht gesondert erstattet.

Praktisch heißt das: Der Grundbedarf von 892 Euro ist bewusst so kalkuliert, dass er eine durchschnittliche Alleinstehenden-Miete mit abdeckt. In teuren Städten trifft das weniger zu als in ländlichen Regionen. Details zu Sonderfällen im Artikel zur Stundung bei geringem Einkommen.

Diese Rechnung ist ein Überschlag auf Basis der gesetzlichen AFBG-Sätze (Stand 2026). Die konkrete Höhe deines Unterhaltsbeitrags hängt von deinen individuellen Einkommens- und Lebensumständen ab und wird vom zuständigen AFBG-Amt verbindlich festgelegt. Für eine rechtssichere Berechnung wende dich an die zuständige Stelle oder einen Steuerberater.

Häufige Fragen zum Unterhaltsbeitrag für Alleinstehende

Bekomme ich den Unterhaltsbeitrag beim berufsbegleitenden Kurs? Nein. Der Unterhaltsbeitrag gilt nur bei Vollzeit-Fortbildungen. Beim berufsbegleitenden WFW oder anderen Teilzeit-Kursen bekommst du nur den Maßnahmebeitrag.

Muss ich meinen Job kündigen, um den Unterhaltsbeitrag zu bekommen? Du musst die Arbeitszeit so reduzieren, dass du in Vollzeit lernen kannst. Viele Teilnehmer lassen sich unbezahlt freistellen oder lösen das Arbeitsverhältnis auf. Ein Minijob parallel ist möglich, solange er die Lernzeiten nicht beeinträchtigt.

Wie zahlt mein Vermieter aus? Das AFBG-Amt zahlt den Unterhaltsbeitrag monatlich auf dein Konto. Die Miete zahlst du dann selbst.

Wird die Miete überprüft? Nein, das AFBG zahlt pauschalen Grundbedarf, keinen spezifischen Wohngeld-Anteil. Deine Miete wird nicht geprüft.

Was passiert bei Krankheit während der Fortbildung? Kurze Krankheitsphasen ändern am Unterhaltsbeitrag nichts. Längere Unterbrechungen (mehr als drei Monate) können zu einer Verlängerung der Förderung führen. Details im Artikel zu AFBG bei Krankheit.

Rechne deinen Unterhaltsbeitrag durch

Im AFBG-Rechner gibst du Einkommen, Vermögen und Familienstand ein. Der Rechner zeigt, welchen Unterhaltsbeitrag du bei Vollzeit erwarten kannst. Die gesetzlichen Grundlagen findest du in § 10 AFBG{: target=“_blank” rel=“noopener”} und im offiziellen AFBG-Portal{: target=“_blank” rel=“noopener”}.

Bereit für den nächsten Schritt?

Du planst eine Vollzeit-Meisterschule und willst wissen, ob der Unterhaltsbeitrag reicht? Buch dir 10 Minuten mit Jens. Wir rechnen deinen konkreten Fall durch.


Nächster Schritt: deine Zahlen kennen

Der Aufstiegs-BAföG-Rechner zeigt dir in 60 Sekunden, was dir nach allen Zuschüssen und Erlassen bleibt. Trag deine Kurskosten und dein Bundesland ein, die Rechnung erscheint direkt.

Wenn dein Ziel der Wirtschaftsfachwirt ist, kannst du parallel den WFW-Gehaltsrechner auf skill-sprinters.de durchrechnen und sehen, welche Gehaltssteigerung realistisch ist.

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